Aromabar: "Milk & Honey"

15. März 2002, 12:20
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Aus dem Club heraus und nach Pop-Land hinein - das Wiener Trio Aromabar hat sich soundmäßig reformiert.

Das Wiener Trio Aromabar stand mit seinem 1999er Debüt-Album "1" für eine ganz bestimmte Phase in der Entwicklung der neueren elektronischen Musik: Vor drei, vier Jahren war die Zertrümmerung alter Formen durch neue (ausschließlich instrumental besetzte) Strukturen und neue Produktionsweisen abgeschlossen. Die nicht immer leicht verdaulichen Pioniere - Sofa Surfers, Kruder & Dorfmeister usw. - machten den Weg frei für solche, die die neu erschlossenen Gestaltungsmöglichkeiten mit traditionellerem Soundgut (Gesang, Strophe-Refrain-Struktur usw.) verbanden und auch bekömmlicher machten. Nightmares on Wax wären ein gutes Beispiel. Oder eben auch Aromabar. Und langsam erhob sich der verschmähte Pop wieder aus der Verbannung und tat das, was er am besten kann: er vereinnahmte die neuen Sounds.

Das Erstaunliche am neuen Aromabar-Album "Milk & Honey" (Infracom) ist, dass es nicht den scheinbar logischen Weg in den gegenwärtig omnipräsenten Data-Pop einschlägt, sondern - Interpretationssache - entweder einen Riesensatz nach vorne oder seitwärts oder auch rückwärts gemacht hat: hinein in den traditionellen Pop. Ausgesprochen mainstreamkompatibel mischen Karin Steger, Andreas Kinzl und Roland Hackl ihre Elektronik-Schulung mit Soul, Brasilia, R&B, Funk ... und nochmals Soul. Immer sehr ruhig und - Karins Stimme entsprechend - unaufgeregt. Die Fans von Everything But the Girl werden sich darin übrigens stärker wiederfinden als die von Lali Puna.

"Im Grunde ist das Album eine Flucht nach vorne", sagt Roland Hackl, "wir haben unseren eigenen Stil und unsere Handschrift bewahrt und im Zweifelsfall lieber ein wenig Kitsch zugelassen ... Wer will nicht zwischendurch mal was zum Nachdenken oder Träumen hören?" Pop-Land liegt eben immer noch im Wohnzimmer. (red)

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