"Jugoslawien": Ein Name wird Geschichte

14. März 2002, 11:28
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Umgebildeter Staat soll sich "Serbien und Montenegro" nennen

Belgrad - Der Staatsname Jugoslawien soll nach gerade 75 Jahren nun der Geschichte überlassen werden. Das erste Jugoslawien war nach dem Ersten Weltkrieg zurrst als Königreich von Serben, Kroaten und Slowenen (SHS) entstanden, um im Jahre 1927 in Jugoslawien, den Südslawenstaat, umgetauft zu werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Königreich von den kommunistischen Herrschern zuerst in Föderative Volksrepublik Jugoslawien (FNRJ) und danach in Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (SFRJ) umbenannt worden. Der Vielvölkerstaat verfiel nach dem Tod seines Präsidenten, des einstigen Partisanen- und Kommunistenführers Josip Broz "Tito", in eine tiefe Krise. Das Ende des gemeinsamen Staates von sechs Republiken und zwei autonomen Provinzen kam schließlich im Jahr 1991.

Serbien und Montenegro hatten im April 1992 ihre Staatengemeinschaft als Bundesrepublik Jugoslawien definiert. Die ungleiche Föderation war in der Tat nie funktionsfähig geworden. Das siebzehn Mal größere Serbien wollte seine Verfassung gar nie an die neue föderative Verfassung anpassen, Montenegro war unter dem Einfluss des Belgrader Herrschers Slobodan Milosevic schon bald auf eine serbische Provinz reduziert worden. Die Albaner-Führer im Kosovo waren jahrelang vergeblich um die staatliche Unabhängigkeit der Provinz bemüht gewesen.

Die Gegensätze zwischen Belgrad und Podgorica, die seit dem Frühjahr 1997 spürbar wurden, als sich der montenegrinische Präsident Milo Djukanovic vom damals noch serbischen Präsidenten Milosevic distanziert hatte, vertieften sich in den darauf folgenden Jahren gefährlich.

Die Bundesrepublik Jugoslawien ist gegenwärtig ein aus zwei Republiken - Serbien und Montenegro - und dem unter internationaler Verwaltung stehenden Kosovo bestehender Staat. Die zwei Republiken haben nur die Streitkräfte gemein, darüber hinaus gehen sie aber schon seit langem unterschiedliche Wege, die föderalen Behörden werden in Podgorica nicht anerkannt.

Das soll sich nun ändern, Serbien und Montenegro werden einen gemeinsamen Präsidenten und auch eine wohl kleine, allerdings gemeinsame Regierung haben. Im Wirtschaftsbereich sollen sie zuerst noch getrennte Wege gehen. Wie sich der Kosovo in den umgebildeten Staat einfügen soll, ist zuerst unbekannt. NAch der geltenden Verfassung ist er ein Bestandteil Serbiens, in der einschlägigen UNO-Resolution Nr. 1244 vom Juni 1999 wird er allerdings nur als Bestandteil Jugoslawiens gewertet. (APA)

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