"NZZ am Sonntag" in den Startlöchern

14. März 2002, 11:08
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Ab 17. März "anspruchsvolle Texte und Unterhaltung mit Niveau"

Am Sonntag erscheint erstmals die "NZZ am Sonntag" aus dem Verlag der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Der Schweizer Tageszeitungsmarkt könnte damit um eine Auseinandersetzung reicher werden. Bei der Konkurrenz macht man sich vorerst aber keine großen Sorgen.

"Publizistische Lücke" schließen

Mit der neuen Sonntagszeitung wolle man eine "publizistische Lücke" schließen, erklärte "NZZ am Sonntag"-Redaktionsleiter Felix E. Müller jüngst in der NZZ.

45-köpfiges Redaktionsteam

Ein 45-köpfiges Redaktionsteam arbeitet an dem neuen Blatt. Man wolle Personen ansprechen, die gerne anspruchsvolle Texte lesen und an Unterhaltung mit Niveau interessiert sind. Darüber hinaus wolle man sich auch Themen widmen, welche die "NZZ" weniger pflege, so Müller.

Auflage: 180.000

An den Start geht die "NZZ am Sonntag" mit einer Auflage von 180.000 Exemplaren, mittelfristig werden 150.000 angepeilt.

Ins Ausland via Post

Im Ausland ist die "NZZ am Sonntag" nur beschränkt erhältlich, sie kann nur über den Postweg bezogen werden. NZZ-Verlagsleiter Tobias Trevisan zeigte sich vor dem Start zufrieden. Der Markt habe die Erwartungen bestätigt, trotz Werbeflaute verlaufe der Verkauf von Inseraten sehr gut. Zahlen wurden jedoch nicht genannt.

Konkurrenz

Auf dem Deutschschweizer Medienmarkt sind derzeit der boulevardeske "SonntagsBlick" von Ringier sowie die "SonntagsZeitung" aus der TagesAnzeiger-Media-Gruppe aktiv. Der "SonntagsBlick" hat eine Auflage von 300.000 Stück, die "SonntagsZeitung" kommt auf 220.000 Exemplare. Derzeit konsumieren rund 100.000 NZZ-Leser die "SonntagsZeitung" und immerhin 56.000 NZZ-Leser den "SonntagsBlick".

"Kein Erdrutsch"

Der Start der "NZZ am Sonntag" werde zu keinem "Erdrutsch" in der Medienlandschaft führen, höchstens zu "kleinen Beben", so der Mediaplaner Andy Lehmann gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Keine großen Sorgen macht sich Andreas Durisch, Chefredakteur der "SonntagsZeitung". Viele NZZ-Leser hätten bisher das "Kontrastprogramm" seiner Zeitung geschätzt. Man zähle auf diese "treue Leserschaft". Etwas Verärgerung gebe es aber darüber, dass die "NZZ am Sonntag" die Blattstruktur der "SonntagsZeitung" kopiere. Noch gelassener - auf Grund der unterschiedlichen Positionierung - erwartet man den neuen Mitbewerber beim "SonntagsBlick".

Auf Vertriebsebene haben sich die einander konkurrierenden Verlage NZZ, Tagesanzeiger-Media und Ringier zur Kooperation entschlossen. Die drei Sonntagstitel werden über ein Vertriebsnetz verteilt.

NZZ am Wochenende schlanker

In Anzeigenmarkt könnte der NZZ-Verlag nach Meinung Lehmann übrigens selbst einen Teil der Zeche bezahlen. Er meint, dass Inserenten der NZZ-Wochenendausgabe künftig auf die "NZZ am Sonntag" ausweichen könnten. Die Samstagausgabe soll künftig in leicht abgeschlankter Form erscheinen. Das Buch "Leben" wandert zur "NZZ am Sonntag". Redaktionsleiter Müller bezeichnet die Beziehung zum Hauptblatt als "kompetitive Kooperation" beziehungsweise "freundschaftliche Konkurrenz".

Ursprünglich war der NZZ-Verlag auch an einer Übernahme der "Weltwoche" interessiert, die man in der Folge zu einer Sonntagszeitung umwandeln wollte. Dieses Vorhaben hat sich jedoch zerschlagen. In Deutschland bringt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" seit vergangenem September eine eigene Sonntagsausgabe auf den Markt, die auch in Österreich erhältlich ist. (APA)

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