Psychologen kritisieren Unterrichtsfach "Politische Bildung"

14. März 2002, 10:48
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An berufsbildenden Schulen "nicht effizient"

Wien - Als "nicht effektiv" bezeichnen Wissenschafterinnen des Instituts für Psychologie der Universität Wien das an Berufsbildenden Schulen verpflichtend unterrichtete Fach "Politische Bildung und Recht" in den von ihnen im Rahmen einer Studie untersuchten Klassen. Es hat sich gezeigt, dass der Unterricht das Lehrziel "Jugendliche zu mündigen, demokratischen Bürgern zu erziehen", nicht erreichte, erklärten die Studienautorinnen Christiane Spiel, Ingrid Egger-Agbonlahor und Nina Trattmayr.

An der Untersuchung beteiligt waren 282 Jugendliche im Alter von 17 bis 21 Jahren. Es wurden Schülerinnen und Schüler der 12. Schulstufe Handelsakademie, die im Fach "Politische Bildung und Recht" noch nicht unterrichtet wurden, Schüler der 13. Schulstufe Handelsakademie, die den Unterricht bereits ein Jahr besucht hatten, Schüler der 12. Schulstufe AHS als Parallelgruppe zur 12. Schulstufe Handelsakademie und erstsemestrige Studierende als Parallelgruppe zur 13. Schulstufe Handelsakademie befragt.

Unterschiede zwischen Schultypen

Statistische Analysen zeigten keinerlei Effekte des Unterrichtsfachs, so die Forscherinnen. Das bedeutet, dass sich Jugendliche, die im Fach Politische Bildung bereits unterrichtet wurden, sich in ihren politisch-sozialen Einstellungen nicht von Jugendlichen unterschieden, die das Unterrichtsfach noch nicht besucht hatten. Des Weiteren konnten keine Steigerungen des politischen Interesses, des Informationsverhaltens und auch nicht des demokratischen Wissens festgestellt durch den Unterricht werden.

Sehr wohl zeigten sich Unterschiede zwischen den Schultypen. Laut Studie verfügen Gymnasiasten über höhere demokratische Kompetenz, höheres politisches Interesse und sie neigen weniger zu "ausländerfeindlichen und national-autoritären Einstellungen". Diese Unterschiede bleiben selbst dann erhalten, wenn der familiäre Bildungsstand des Elternhauses - mit statistischen Methoden - konstant gehalten wird.

Die Autorinnen ziehen auf Basis ihrer Analysen den Schluss, dass Wissensvermittlung durch reale Erfahrungen in demokratischem Handeln ergänzt werden muss. Je höher die "gelebte Demokratie" in den untersuchten Klassen eingeschätzt wurde, desto höher war die demokratische Kompetenz der Jugendlichen. (APA)

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