Farbenspiele für Studenten

20. März 2002, 14:56
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Ein Eisenstädter Klein-Studentenheim zeigt, wie man billig flott einrichtet, wenn man mit Bohrer, Leimtube, Raum und Farbe umgehen kann

Mitten in der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt steht das Esterhazy'sche Schloss und bildet ein imposantes Kleinstadtzentrum. Gleich davor liegt ein ebenfalls überaus reizvolles, aber irgendwie irdisch-menschlicheres Gebäudeensemble - in dem waren früher einmal die zum Schloss gehörigen Pferde und Kutschen untergebracht. Mitten drinnen führt ein breiter Stallgang zum Herrscherhaus hinauf, doch da man dem Luxus des Herumkutschierens schon seit langem nicht mehr frönt, hat sich die Fürst Esterhazy'sche Familien-Privatstiftung in letzter Zeit um andere sinnvolle Befüllung der barocken Räumlichkeiten umgesehen, zum Teil nicht ohne karitativen Hintergedanken, wie es sich für eine fürstliche Stiftung in bester Tradition gehört.

Seit kurzem gibt es in den alten Ställen zum Beispiel ein paar flotte Lokale, eines davon wird gerade neu übernommen, und ein weiterer kleiner Teil der alten Ställe kann dieser Tage von sechs Studenten in Besitz genommen werden. Der in Eisenstadt ansässige Architekt Klaus Jürgen Bauer hat ein kleines Flügelchen des ehemaligen Stalltraktes aus dem Jahr 1799 zu Studentenwohnungen umgebaut, und mit diesen neuen, frischen Wohneinheiten und mit wenig Aufwand eine heitere Symbiose aus Alt und Neu, aus Tradition und modernem Witz geschaffen.

Sechs Zimmer stehen den Studenten zur Verfügung, angeschlossen sind ein Gemeinschaftsraum, eine Küche sowie Badezimmer für Männer und Frauen, genutzt wird die Angelegenheit künftig von Studenten der in Eisenstadt ansässigen Fachhochschule für Internationale Wirtschaftsbeziehungen. Drei der Zimmer werden künftig von der Esterhazy'schen Privatstiftung in Form von Stipendien an Studenten aus den Ostländern vergeben werden.

Die Räume sind alle sehr einfach aber witzig ausgeführt. Bei Sanierungskosten von insgesamt 72.670 Euro für 150 Quadratmeter beliefen sich die Kosten auf das gesamte bewegliche Mobiliar auf gerade einmal 2.550 Euro, weil man preiswert, aber mit einem gewissen Pfiff einrichten wollte. Architekt Bauer verfügte sich also zu Ikea, kaufte dort die verschiedenen Schreibtische und Sessel, Nachtkästchen und Betten, Lampen und Vasen ein, ließ sich alles fein säuberlich liefern und dann - ein wichtiger Punkt - von professionellen Handwerkern, quasi verbessert und verstärkt, vor Ort zusammenbauen.

"Es wurde nachgeleimt, Bohrungen wurden nachjustiert und bessere Schrauben verwendet", sagt Bauer, dem das Ikea-Einkaufen stets Spaß bereitet, weil "es in jeder Phase lustig ist: beim Aussuchen, beim Assemblieren, beim Teile-Zurückführen und dann beim Anschauen." Bei Großlieferungen müsse der Kunde zwar regelmäßig mit Fehlpackungen von etwa zehn Prozent rechnen, dafür bleibe aber das Börsel halbwegs voll. Die Räume wirken, obwohl jeweils nur mit dem Nötigsten ausgestattet, freundlich, hell, klar. Dazu trägt auch ein fröhliches Farbkonzept bei, das das Innere der Außenwände betrifft und in den Esterhazy'schen Familienfarben Blau und Gelb gepinselt wurde.

Dass man mit ganz einfachen und billigen Fliesen und Armaturen auch sehr schöne Badezimmer gestalten kann, wird hier ebenfalls bewiesen: Ohne Schnickschnack und Aufwand präsentieren sich die Nassräume des Klein-Studentenheimes in fröhlichen Himmelblau-Rosa-Weiß-Streifen, sogar die Duschvorhänge fanden sich bei Ikea. Bauer: "Wir konnten auf diese Art alles aus einem Guss machen, und das Ikea-System hat sich dabei tadellos bewährt."

derStandard/rondo/15/3/02

von Ute Woltron
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