Görg-Ablöse noch vorm Sommer

14. März 2002, 10:00
posten

Massive Kritik der Jüngeren an den VP-"Königsmördern"

Wien - Jetzt dürfte es ziemlich rasch gehen: "Die Entscheidung wird möglicherweise noch im ersten Halbjahr fallen", gibt der Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Nettig den Zeitplan für die Ablöse des Wiener VP-Chefs Bernhard Görg vor. Und jener ergibt sich in sein Schicksal: "Es hat keinen Sinn, das über die Ferien hinauszuziehen."

Gleichzeitig fordern aber auch ein paar Bezirksorganisationen einen Sonderparteitag. Und der wäre binnen dreier Monate abzuhalten. Und es sind die gleichen Bezirkskaiser, die auch auf die raschere Ablöse Görgs gedrängt hatten. "Die Wünsche einiger Freunde sind sehr prä- gnant geworden, und es gab einige wenige Gespräche mit dem Bundesparteiobmann", umschreibt Nettig deren Vorgangsweise. Görg: "Ein paar Leuten, die mich im Vorjahr bekniet haben zu bleiben, haben offenbar schon die Knie wehgetan." Und "mir fehlt jetzt der Wille", noch einmal dagegen anzukämpfen.

"Jeder gegen jeden"

Ein Vorgehen, bei dem den Jüngeren in der ÖVP das sprichwörtliche G'impfte aufgeht. Und der VP-Gemeinderat Alexander Neuhuber artikuliert das auch öffentlich: "Ich weiß nicht, ob die Königsmörder wissen, was sie da tun. Den Obmann zu killen, ohne eine Alternative zu haben, ist nicht das Gescheiteste. Jetzt heißt es wieder: jeder gegen jeden."

Und, so Neuhuber: "Es ist der falsche Zeitpunkt und die falsche Art und Weise. Jetzt jemand Neuen zu bringen ist Wahnsinn. Es hängt doch alles von der Bundesentwicklung und der Nationalratswahl ab, wo sich die Wiener ÖVP positionieren muss."

Vorerst aber wird in der ÖVP wieder politisches Mikado gespielt: Wer sich bewegt, verliert. "Wunschkandidaten" für die Nachfolge Görgs werden zwar genannt. Die Minister Benita Ferrero-Waldner und Ernst Strasser stehen auf der Wiener "Wunschliste". Oder auch die Staatssekretäre Franz Morak und der im Bund nicht unumstrittene Alfred Finz. Oder die Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat. Sofern von denen aber überhaupt eine Reaktion kommt, dann eine ablehnende. "Ehrenvoll- aber kein Thema" heißt es etwa. Oder: "Ich glaube nicht, dass das infrage kommt".

Im Gegenzug favorisiert der Bund hinter vorgehaltener Hand wiederum Wiener Kandidaten: Wie Matthias Tschirf, den derzeitigen Ko-Klubobmann im Rathaus. Oder den Gemeinderat Johannes Hahn.

Kurz: Die ÖVP ist wieder einmal auf der Suche nach einem "Wunderwuzzi", wie es seinerzeit bei der Obmannsuche vor Heinrich Wille hieß. "Wir brauchen ein Aufbruchssignal für neue Erfolge. Ob der Kandidat oder die Kandidatin bündisch verankert ist, ist völlig unbedeutend", lautet der fromme Wunsch Nettigs. (Roman Freihsl, DER STANDARD Print-Ausgabe 14.März 2002)

Share if you care.