USA verstärken Druck auf Israel

14. März 2002, 20:14
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Pentagon fordert nach scharfer Kritik Bushs "vollständigen Abzug" aus Palästinenser- Gebieten - Sharon ordnet Teilabzug aus Ramallah an

Washington/Jerusalem - Das US-Außenministerium hat den "vollständigen Abzug" aller israelischen Truppen aus den von Palästinensern kontrollierten Gebieten "einschließlich der Stadt Ramallah" gefordert. Zur Begründung hieß es, dies würde die Nahost-Mission des US-Gesandten Anthony Zinni "sehr vereinfachen". Die US-Regierung hat nach Angaben aus Regierungs- und Kongresskreisen ein Ersuchen Israels um Finanzhilfe in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar blockiert. Israel hatte um 800 Millionen Dollar neben den drei Milliarden Dollar gebeten, mit denen die USA Israel jährlich unterstützen. Die US-Regierung habe wegen des israelischen Vorgehens gegen die Palästinenser, bereits geleisteter Hilfe und hoher Ausgaben im Anti-Terror-Kampf Bedenken, rund 200 Millionen Dollar bereit zu stellen, hieß es. Ein Mitarbeiter des US-Kongresses sagte, die Mittel würden nicht ausgezahlt.

US-Präsident George W. Bush hat die israelische Offensive in den palästinensischen Autonomiegebieten in ungewohnt direkter Form kritisiert. "Offen gesagt ist es nicht hilfreich, was die Israelis in letzter Zeit getan haben", sagte Bush am Mittwoch vor Journalisten im Weißen Haus. Er forderte Israelis und Palästinenser auf, "hart zu arbeiten, um die Voraussetzungen für eine mögliche Beilegung des Konflikts zu schaffen". Die Vermittlung der USA habe das Ziel, Menschenleben zu retten, sagte Bush, dessen Gesandter Zinni am Donnerstag in Israel erwartet wurde.

Sharon ordnet Rückzug aus Ramallah an

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat den etappenweisen Rückzug der Armee aus Ramallah im Westjordanland angeordnet. Dies berichtete am Donnerstag das israelische Radio. In der Früh waren bereits 40 der rund hundert dort stationierten Panzer abgezogen. Nach einem Radio-Bericht fuhren sie nach Tulkarem im nördlichen Westjordanland. Dem Militär lägen Informationen darüber vor, dass dort neue Anschläge auf Israel vorbereitet würden.

Ben-Elizier ordnet freie Fahrt für Krankenwagen an

Der israelische Verteidigungsminster Benjamin Ben-Eliezer hat unterdessen die Armee angewiesen, Krankenwagen in den Palästinensergebieten passieren zu lassen. Ben-Eliezer habe diesen Befehl trotz "Beweisen" erteilt, dass Palästinenser die Ambulanzen zuweilen für den Transport von "Terroristen" und Militärgerät benutzten, sagte Vize-Verteidigungsministerin Dalia Rabin Pelossof am Donnerstag laut dem israelischen Militärradio bei einem Treffen mit Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Seit dem 4. März wurden fünf palästinensische Sanitäter und Ärzte von israelischen Soldaten erschossen.

Die israelischen Streitkräfte haben am Donnerstag mit einem Kampfhubschrauber ein Versteck palästinensischer Extremisten angegriffen und zwei von ihnen getötet. Die palästinensischen Sicherheitskräfte erklärten, die Getöteten gehörten zu den radikalen Al-Aksa-Brigaden. Einer von ihnen wurde als der 27-jährige Sprengstoffexperte Motassem Abdel Dajem identifiziert. Die beiden Männer hielten sich im Schuppen einer Hühnerfarm in der Ortschaft Anabta auf, als die Streitkräfte angriffen.(APA/Reuters/AP)

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