Spediteur Kralowetz bestreitet Ausbeutungsvorwürfe

14. März 2002, 14:50
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Unternehmer will sich bemüht haben, seine Geschäfte im Rahmen des Gesetzes abzuwickeln

Luxemburg - Der wegen Ausbeutung osteuropäischer Fahrer angeklagte niederösterreichische Speditionsunternehmer Karl Kralowetz (45) hat vor dem Luxemburger Gericht am Mittwoch Vorwürfe des Lohn- und Sozialdumpings bestritten. Er habe sich bemüht, seine Geschäfte im Rahmen des Gesetzes abzuwickeln, sagte Kralowetz. Er leugnete bisherige Angaben aus Zeugenaussagen, die Fahrer statt nach Stunden unzulässiger Weise nach gefahrenen Kilometern bezahlt und sie zur Überschreitung von Lenkzeiten und zur Manipulation von Tachoscheiben angestiftet zu haben.

"Alles in Ordnung"

"Es ist üblich, dass Fahrer unter sich von Bezahlung von gefahrenen Kilometern sprechen", sagte Kralowetz. Er jedenfalls habe etwa zehn Euro pro Stunde und auch Urlaubsgeld gezahlt. Der 45-Jährige widersprach auch Aussagen einer Angestellten vom Vortag, wonach die Fahrer aus Ungarn, Bulgarien, Rumänien und aus der Slowakei den Inhalt der Arbeitsverträge auf Deutsch nicht hätten verstehen können und ungerechtfertigte Abzüge wegen Pannen hätten hinnehmen müssen. Kralowetz sagte, es habe Schulungen für alle Fahrer in ihrer jeweiligen Muttersprache gegeben.

Die Anschuldigungen gegen Kralowetz hatten sich in Luxemburg erhärtet, nachdem im Jänner die Staatsanwaltschaft München II die Auslieferung des Spediteur beantragt hatte. Die Münchner Ermittler werfen dem Transporteur vor, mehrere hundert Fahrer aus Osteuropa mit Hilfe gefälschter Papiere in das Gebiet der Europäischen Union eingeschleust zu haben. Kralowetz, der außer im luxemburgischen Esch/Alzette in mehreren europäischen Ländern tätig war, sitzt in Untersuchungshaft.

Fahrer nicht beim Prozess

Der Unternehmer unterstellte den Fahrern, sie seien faul gewesen und oft einfach nicht zum Dienst gekommen. Nach seiner Darstellung verkauften sie bei ihren Fahrten in osteuropäische Länder zum Beispiel Reifen der Laster und ersetzten diese durch ältere und billigere. Nach Angaben von Kralowetz' Verteidiger, Roland Michel, sollen die Fahrer bei dem Prozess nicht gehört werden. Sie wurden bereits vor Wochen auf Kosten der Luxemburger Regierung in ihrer Heimatländer zurückgeflogen. Der Prozess sollte ursprünglich am Donnerstag beendet sein, zieht sich nach Angaben des Gerichts allerdings auf unbestimmte Zeit hin. (APA/dpa)

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