Zweifel am Nutzen adulter Stammzellen

14. März 2002, 16:15
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Hoffnungsträger möglicherweise sogar gefährlich

Edinburgh/Miami - Adulte Stammzellen können möglicherweise die Wunder nicht vollbringen, die ihnen zuletzt in vielen Studien zugeschrieben wurden - sich in andere Zelltypen verwandeln, etwa aus Blutstammzellen in Muskeln oder Nerven. Diese "Verwandlungen" könnten in Wahrheit Trugbilder einer verkürzten Analyse sein. Dabei wird zudem übersehen, dass die Zellen gefährlich sein können.

Davor warnen zeitgleich zwei Forschergruppen der Universitäten Edinburgh und Florida, die die Zellen bzw. ihre Entwicklung umfassend analysiert haben. Bisher hat man ihr Schicksal nur anhand ihren eigenen Marker verfolgt: Man hat etwa weibliche Zellen in männliche Tiere gespritzt und nachgesehen, wo das weibliche X-Chromosom auftaucht. Fand es sich im Herzmuskel, schloss man daraus, das die Zellen sich zu Herzmuskelzellen differenziert haben.

Übersehen: Zellfusion

Dabei blieb die andere Seite übersehen, der Organismus, in den die Stammzellen gespritzt wurden. Die beiden Gruppen haben das ansatzweise nachgeholt und adulte Stammzellen in Zellkultur mit ausdifferenzierten embryonalen Stammzellen zusammengebracht. Die dabei entstandenen Zellen wurden anschließend umfassend genetisch analysiert und zeigten statt einer Ausdifferenzierung der adulten Zellen ein Zellfusion der adulten mit ausdifferenzierten embryonalen. Diese Zellverschmelzungen tragen mit mehr als zwei Chromosomen auch Tumorgefahren in sich.

Die beiden Gruppen verweisen darauf, dass ihre Experimente erst in Zellkultur durchgeführt wurden und noch nicht in vivo. Trotzdem mahnen sie zur Vorsicht beim "übereifrigen Trend in der Stammzellforschung, Schlussfolgerungen ohne sorgfältige Analysen zu ziehen". (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 3. 2002)

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