Mehr Arbeitslose durch rasche Pensionsanhebung

14. März 2002, 08:58
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Ältere kämen noch mehr unter Druck

Wien - "Würde das Pensionsantrittsalter der Frauen in Kürze dem der Männer angeglichen, käme es zu einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in Österreich", formuliert Alois Guger, Pensionsexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) auf Anfrage des Standard eine der wichtigsten unmittelbaren volkswirtschaftlichen Auswirkung in der kurz aufgeflammten Diskussion über ein rasches Gleichziehen beim Frauenpensionsalter. Vor allem bei älteren Arbeitnehmern (Frauen ab 40, Männer ab 50), die bereits jetzt am Arbeitsmarkt als "Problemgruppe" gelten, würde dies besonders negativ durchschlagen.

Würde man bereits jetzt ein höheres Pensionsalter bei Frauen installieren, müssten auch mehr Mittel in die aktive Arbeitsmarktpolitik gelenkt werden, so Guger. Wie bereits berichtet, werden diese Budgets aber derzeit eingefroren.

Angleichung auf längere Sicht

Auf längere Sicht, so Guger, müsste es freilich zu einer Angleichung des Frauenpensionsalters an das der Männer kommen. Als logischen Zeitpunkt nennt Guger auf Anfrage das Jahr 2010. Der Grund dafür liege in der demoskopischen Entwicklung. In Österreich werden nämlich in den nächsten Jahrzehnten immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter leben. 2030 etwa werden es 316.000 (minus 5,7 Prozent) als im Jahr 2000 sein. 2050 werden 700.000 fehlen. Diese Lücken werden nicht mit Migration allein zu füllen sein, meint der Wirtschaftsforscher.

Derzeit liegt das "effektive Pensionsantrittsalter" bei rund 58 Jahren, und zwar bei Männern und Frauen. Anfang der 70er-Jahre werkten Männer im Schnitt bis sie 63 waren. Frauen mussten bis 62 ihren Mann stehen.
(DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2002)

von Monika Bachhofer
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