Hausärzte wollen gebührenfrei zuweisen

13. März 2002, 19:11
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Ambulanzgebühr soll nach Besuch beim Praktiker entfallen - Umstrittene Auswirkungen

Wien - Befreiung von der Ambulanzgebühr bei Zuweisung durch einen praktischen Arzt und Abschaffung der Krankenscheingebühr: Diese Forderungen deponierte der Hausärzteverband am Mittwoch. Grund für die Wunschliste der Hausärzte ist, dass sie "bis dato nur im Promillebereich von der Ambulanzgebühr profitieren". Derzeit sind Ambulanzbesuche nur mit Überweisungsschein vom Arzt gebührenermäßigt (10,90 statt 18,17 Euro).

Laut Ärztekammer-Statistik seien zwar, so der Wiener Hausärztechef Peter Hosiner, die Patientenzahlen bei einzelnen Fachärzten (Internisten: plus zwölf Prozent) im ersten Halbjahr 2001 (die Gebühr wurde am 20. April 2001 eingeführt) gestiegen, nicht aber bei den Hausärzten. Die Patienten gehen nach wie vor in die Ambulanzen, wie eine aktuelle Tiroler Studie bestätigt (DER STANDARD berichtete).

Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) verfügt indes über die aussagekräftigeren Zahlen des zweiten Halbjahres 2001, in dem die Ambulanzgebühr bereits Änderungen bei den Arztbesuchen hätte zeitigen können. Hat sie aber offenbar nicht, wenn das "Statistik-Artefakt" der Hausärzte bereinigt wird, erklärt Jan Pazourek von der WGKK. Die angeblichen Steigerungsraten bei den Fachärzten kämen dadurch zustande, dass 2001 erstmals alle Urlaubsvertretungsscheine in die Statistik aufgenommen wurden.

Bereinigt, zeige sich Gegenteiliges: Die Steigerungsrate bei Internisten betrug im Vergleich des zweiten Halbjahres 1999-2000 5,5 Prozent. 2001 (mit Ambulanzgebühr) waren es nur noch 4,3 Prozent. Alle Wiener Fachärzte zusammen hatten im zweiten Halbjahr 2001 einen Patientenzuwachs von 2,9 Prozent: das übliche Wachstum. Kein Ansturm aus den Ambulanzen.

SPÖ und Grüne forderten die generelle Abschaffung der Ambulanzgebühr. (nim)

(DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2002)
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