"Wir hoffen, dass er zurückkommt"

13. März 2002, 19:27
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UN im Kosovo prüft Rückholmöglichkeiten des österreichischen Polizisten

Pristina/Wien - Bei der UN-Mission im Kosovo sorgt die Rückholung des österreichischen UN-Polizisten Martin A. noch immer für beträchtliche Aufregung und Empörung. "Wir hoffen, dass er zurückkommt. Inzwischen werden die Untersuchungen weiter geführt", sagte UN-Sprecherin Susan Manuel dem STANDARD. Auf die Frage, ob ein internationaler Haftbefehl angestrebt werde, falls der Österreicher nicht zurückkehre, sagte Manuel: "Wir sind noch nicht so weit. Wir sind im Stadium der Untersuchungen."

Wie lange die Untersuchungen dauerten, darauf wollte sich die UN-Sprecherin nicht festlegen. "Ich glaube nicht, dass es Monate sind. Das geht in einem geringeren Zeitraum."

Wie aus mit Ermittlungen betrauten UN-Kreisen verlautete, haben die bisherigen Nachforschungen ergeben, dass die Vorwürfe, die gegen den Österreicher erhoben werden, bisher als zutreffend angesehen werden. Wie berichtet, steht der Österreicher im Verdacht, einen Gefangenen im Kosovo gefoltert zu haben. Außerdem soll er ihn gezwungen haben, ein Grab zu schaufeln. Es gebe Zeugen und körperliche Beweise, die für die Richtigkeit der Vorwürfe sprächen, hieß es.

Die Untersuchungen gestalteten sich aber als schwierig, wenn der Betreffende nicht gefragt werden könne.

Ein internationaler Haftbefehl und ein formelles Auslieferungsansuchen an Österreich werde erwogen. Aber alle weiteren Schritte hingen von Entscheidungen der Vereinten Nationen in New York ab, hieß es. Der Ball liege nun dort. Allerdings, so wurde eingeräumt, wäre ein Haftbefehl und ein Auslieferungsersuchen ein großer Schritt und zudem rechtlich kompliziert.

"Große Intrige"

Im Parlament war die Affäre am Dienstagabend ein Thema im Hauptausschuss: VP-Klubchef Andreas Khol sprach von einer "großen Intrige" - Grünen-Sprecherin Ulrike Lunacek konterte mit dem Vorwurf "Verschwörungstheorie".

Heute, Donnerstag, geht es im Bundesrat weiter: Die SPÖ plant eine dringliche Anfrage. SP-Fraktionschef Albrecht Konecny kritisiert die jüngsten "Interpretationen" - etwa dass "der finstere Intrigant", UNO-Kosovo-Sonderbeauftragter Michael Steiner aus Wiener Sicht offensichtlich "zur Achse des Bösen" zähle oder dass es darum gegangen sei, "Österreicher aus dem Zugriff kosovarischer Bluträcher zu entziehen". (afs, cs)

(DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2002)
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