Wirbel um Öffi-Gratiszeitung der Wiener Grünen

13. März 2002, 15:16
6 Postings

"Grün-Express" sei dem "U-Express" nachempfunden - "U-Express" droht mit rechtlichen Schritten - Radio Orange gegen "plumpe Vereinnahmung"

Die Wiener Gratiszeitung "U-Express" hat vorübergehend Konkurrenz bekommen: Die Wiener Grünen verteilen seit Mittwoch, an einigen Öffi-Haltestellen den "Grün-Express", der dem Vorbild zum Verwechseln ähnlich sieht. Das Ziel der Aktion sei es, in humoristischer Weise gegen die geplanten Tariferhöhungen Stellung zu beziehen, rechtfertigten sich die Herausgeber des Duplikats. Beim "U-Express" hält sich die Erheiterung jedoch in Grenzen: Dort kündigte man rechtliche Schritte an.

Der Chefredakteur des "U-Express", Richard Schmitt, berichtete, dass den Grünen nicht nur wegen einer Verletzung des Urheberrechtes Konsequenzen drohen, sondern auch wegen angeblicher Sachbeschädigungen. Dem "U-Express" ist demnach zu Ohren gekommen, dass Verteiler der Grünen Exemplare des Vorbildes aus U-Bahn-Eingängen entfernt haben.

Bei Grünen betont man, dass die Herausgabe des "Grün-Express" nicht mit der Redaktion des "U-Express" abgesprochen war. Jetzt dürfte dem Neuling unter des Gratisblättern ein frühes Aus drohen: Denn sollte sich die Redaktion der Wiener U-Bahn-Zeitung nicht mit der Aktion nicht einverstanden zeigen, werde die Verteilung des "Grün-Express" gestoppt, haben die Grünen versprochen.

100.000 Stück Auflage

Laut einer Sprecherin des Grünen Rathausklubs beträgt die Auflage 100.000 Stück. Die Zeitung, so versicherte sie, sei bei den Fahrgästen ein Erfolg und werde gerne entgegen genommen. Weitere Auflagen des kostenlos erhältlichen Blattes - mit der programmatischen Schlagzeile: "Grüne machen Bim und U-Bahn billiger" - waren aber nie geplant: "Wir haben ja unsere eigene Zeitung, das ist nur eine einmalige Aktion im Rahmen unserer Aktion für billigere Öffis."

"Grün rettet Orange"

Auch beim Freien Radio "Orange 94.0" ist der "Grün-Express" nicht sonderlich gut angekommen. Denn auf Seite zwei heißt es unter dem Titel "Grün rettet Orange", dass die SPÖ Radio Orange "verhungern" lasse. Zusatz: "Die Grünen erklären der SPÖ wieder einmal, dass Wien neben dutzenden Kommerzsendern auch ein Radio benötigt, das ohne Werbung auskommt."

"Orange 94.0 ist weder Grün noch Schwarz noch Rot!", betonten die Radiomacher am Mittwoch in einer Aussendung. Orange erfülle als Freies Radio öffentliche Aufgaben. Derzeit werde mit der Stadt Wien über Förderungen verhandelt - und es sei bereits Unterstützungsbereitschaft signalisiert worden. Das Freie Radio in Wien verwehrt sich laut eigenen Angaben jedenfalls "vehement gegen plumpe Vereinnahmungsversuche" - wie etwa solcher im "Grün-Express". (APA)

Share if you care.