Mit "Killerapplikation" zum "trimedialen Medienkonzern"

13. März 2002, 18:48
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Neuer Online-Direktor Schwärzler: "Gebühren für Content werden "sicher kommen" - "Gesunde Kreativität" für Online-Werbung

Das Schlagwort der "trimedialen" Zukunft des ORF will der neu bestellte Online-Direktor des ORF, Ronald Schwärzler, in die Realität umsetzen. "Dafür wird man Geld in die Hand nehmen müssen", sagt er im Interview. Neue Geschäftsfelder werde es nicht nur im Bereich Online-Werbung geben, wo ihm auch auf Grund der Werbebestimmungen für den ORF hier "ein bisschen die Hände gebunden sind, das bis aufs Letzte auszuschöpfen". Ebenso aber sei der Trend zum kostenpflichtigen Content nicht aufzuhalten, zeigte sich Schwärzler überzeugt.

Die Arbeitsbereiche des von ORF-Generaldirektorin Monika Lindner neu geschaffenen Online-Direktors umfassen "alle Online-Dienste des ORF" und deren Vermarktung, die Führung der Teletext GmbH sowie "neue mediale Angebote", so Schwärzler. "Heute ist der ORF ja auf dem Weg zum trimedialen Medienkonzern, da wird mit 'online' noch nicht alles abgeschöpft. Der ORF hat die Informationen, den Content, und der muss auf allen zur Verfügung stehenden Wegen zum Kunden gebracht werden. Da wollen wir aktiv mit dabei sein und uns nicht überraschen lassen."

Warten auf die "Killerapplikation"

Das Handy wird in der schönen, neuen Mulitmediawelt - Stichwort GPRS und UMTS - eine tragende Rolle spielen, aber "Bilderl verschicken allein wird's nicht sein", meint Schwärzler, der wie der Rest der Branche auf die "Killerapplikation" hofft. Wie viel Geld er in seinem neu geschaffenen Geschäftsbereich in die Hand nehmen kann, werde sich in den nächsten Wochen entscheiden. Schwärzler tritt sein Amt mit Mai an. Obwohl beim ORF sparen angesagt ist, werde man aber investieren müssen. "Wenn man da nichts tut in Zeiten, wo es ein bisschen schlechter ausschaut, und andere geben Gas, dann wird man das Nachsehen haben."

Im Bereich der Online-Werbung gelte es, sich in "gesunder Kreativität" zu üben. Da mittelfristig mit einem Online-Werbeanteil von fünf bis sieben Prozent gerechnet werde, "ist das eine meiner wesentlichen Aufgaben. Da wird man mich sicher ein bisschen einbremsen müssen". Der Anteil von Werbung im Online- und Teletext-Angebot im ORF wird laut ORF-Gesetz durch Beschluss des Stiftungsrates festgelegt. "Man muss am Markt offensiv auftreten. Ich bin nicht angetreten, um Marktanteile oder Geld zu verlieren", so Schwärzlers Credo.

Gebühren für Content werden "sicher kommen", meint er. Der Trend gehe eindeutig in Richtung "selektive Kostenpflicht". Ein Beispiel sei etwa "wenn ich mich auf der Autobahn auf eine Radarfalle zubewege und per SMS davor gewarnt werde". Dies sei zwar kein klassischer Medien-Content, "aber der Nutzen ist da. Und da werden wir auch medieneigene Contents finden".

Mehr "eigenständige Präsenz für ORF ON"

Die künftige Organisation von Schwärzlers Geschäftsbereich solle in den nächsten Tagen besprochen werden. Diskutiert werde etwa auch, dass er die IT-Strategie des ORF, derzeit in der Kaufmännischen Direktion angesiedelt, übernehmen könnte. Auf jeden Fall wolle er ORF ON, derzeit im Verantwortungsbereich bei der Teletext GmbH angesiedelt, "nach vorne bringen" und mehr eigenständige Präsenz verschaffen. Ob der derzeitige ORF ON-Leiter Franz Manola in seiner Position verbleibe, wollte Schwärzler nicht kommentieren. Nur so viel: "Ich habe noch nichts Gegenteiliges gehört. Manola ist ein hervorragender Fachmann, und es wäre schade, wenn wir einen Spezialisten verlieren." (APA)

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