Andritz AG will Streubesitz deutlich erhöhen

14. März 2002, 14:20
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Vorstandschef Leitner sieht nach Rekordergebnis Kurspotenzial von bis zu 50 Prozent

Wien - Der Maschinenbauer Andritz AG, der am Donnerstag offiziell die Bilanzzahlen für 2001 vorgelegt hat, fühlt sich an der Börse unterbewertet und strebt deswegen eine deutliche Erhöhung seines derzeitigen 16-prozentigen Streubesitzanteils an. "Realistisch betrachtet könnte der Streubesitz in einem ersten Schritt auf 30 bis 35 Prozent gesteigert werden", sagte Andritz-Vorstandschef Wolfgang Leitner bei der Jahrespressekonferenz in Wien, ohne genaue zeitliche Angaben zu machen. Leitner ortete im Vergleich zu anderen Firmen aus der Branche ein "Kurspotenzial von 30 bis 50 Prozent" und auch "kurzfristig" mögliche Kurssteigerungen. Das vorgelegte Jahresergebnis sei eine "solide Basis dafür", sagte Leitner.

Rekordergebnis

Das Grazer Unternehmen hat 2001 das nach Eigenangaben beste Unternehmensergebnis seiner Geschichte erzielt und seinen Umsatz um 18,7 Prozent auf 1,32 (1,11) Mrd. Euro gesteigert. Der Betriebserfolg (EBIT) stieg um 56,5 Prozent auf auf 54,6 (34,9) Mill. Euro, das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich auf 94,5 (69,1) Mill. Euro. Der Dividendenvorschlag soll 90 (30) Cent pro Aktie betragen. Wermutstropfen ist der zu Jahresende 2001 um 21 Prozent auf 740,4 (938,6) Mill. Euro gesunkene Auftragsstand. Im bei weitem größten Geschäftsbereich, Maschinen für die Zellstoff- und Papierindustrie, sind die Aufträge im vergangenen Jahr um mehr als 27 Prozent zurück gegangen. Dennoch sprach Leitner von einem "guten Auftragsstand", die erzielbaren Preise hätten bisher dem Druck der kleiner werdenden Nachfrage standgehalten. In der Papier- und Zellstoffindustrie erwarte man ab der Jahresmitte eine Aufwärtsbewegung, die Stahlindustrie, mit der man 13 Prozent des Umsatzes macht, sei bereits wieder im Aufwärtstrend.

Asiengeschäft schon bei gut 20 Prozent

Markant zulegen konnte die Andritz AG zuletzt im Asiengeschäft. Während sich er Anteil des Amerikageschäfts rückläufig entwickelt, stammen mittlerweile 24 Prozent der neuen Aufträge aus Asien, namentlich aus der boomenden Volksrepublik China, mittelfristig könnten es "in guten Jahren 30 Prozent werden", sagte Leitner. 2001 waren lediglich 14 Prozent des Umsatzes aus dem (Fernen) Osten gekommen. Einen Wachstumsmarkt orten die Grazer Maschinenerzeuger auch in Südamerika, wo die rasch wachsenden Eukalyptusplantagen billigen Rohstoff für die Papierindustrie versprechen.

Für das laufende Geschäftsjahr 2002 wollte sich Leitner nicht auf quantitative Ziele für den Gesamtkonzern festlegen. Wenn sich die Konjunktur erhole, wie derzeit absehbar, sei man optimistisch, einen höheren Umsatz und eine größere Rentabilität zu erreichen, hieß es.

Geringe Börseliquidität

Leitner sieht in der geringen Börseliquidität den Hauptgrund, warum trotz guter Geschäfte der Kurs seit dem Börsegang im Juni 2001 um lediglich etwas mehr als sieben Prozent gestiegen ist. Internationale Investmentfonds bevorzugten Aktien mit höherem Streubesitz. Prinzipiell sei ein Streubesitz bis knapp 50 Prozent denkbar, wie, um wieviel und auf welchem Weg der "free float" vergrößert werde, sei aber noch offen, sagte Leitner, dessen Stifung Certus 24 Prozent an Andritz hält. Weitere große Aktionäre sind die US-Investorengruppe Carlyle (31 Prozent), die österreichische UIAG (13 Prozent) sowie die Deutsche Beteiligungs AG und GE Capital mit je sechs Prozent.

Weitere Akquisitionen möglich

Nach dem gänzlichen Erwerb der finnischen Andritz-Ahlstrom im vergangenen Jahr lägen weitere Akquisitionen im Bereich des Möglichen, sagte Leitner. Die Nettoliquidität des Konzerns ist im vergangenen Jahr deutlich auf 77,3 (45) Mill. Euro gestiegen, bei der Hauptversammlung am 17. April will sich die Unternehmensführung grünes Licht für den Rückkauf von eigenen Aktien holen, "um reagieren zu können". (APA)

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