Fahndung nach Karadzic und Mladic: SFOR warf Flugblätter ab

13. März 2002, 16:09
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Ivanic: Keine Information über Aufenthaltsort von Karadzic

Belgrad/Banja Luka - Hubschrauber der internationalen Friedenstruppe in Bosnien (SFOR) haben Mittwoch Vormittag Flugblätter über der ostbosnischen Stadt Foca abgeworfen. Darin wurden die Stadtbewohner aufgefordert, einen Beitrag zur Festnahme des früheren bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic und des einstigen Generals Ratko Mladic beizutragen.

Die SFOR-Aktion verlief ohne Zwischenfälle. SFOR-Soldaten hatten vor zwei Wochen vergeblich versucht, Karadzic in der Nähe von Foca, das von der serbischen Bevölkerung auf Srbinje umgetauft wurde, festzunehmen. Misstrauen zwischen internationalen Institutionen und bosnisch-serbischer Regierung

Der Ministerpräsident des bosnisch-serbischen Landesteils, Mladen Ivanic, gibt an, dass die Regierung der Serbischen Republik keine Informationen über das Versteck des früheren bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic hat. "Wir wissen nicht, wo sich diese Person aufhält", erklärte Ivanic gegenüber der Belgrader Tageszeitung "Nacional".

Die Karadzic-Frage dreht sich nach Ansicht von Ivanic "im Kreis". "Wir behaupten, dass wir keine Information haben. Die internationalen Institutionen wiederum berichten, diese zu haben, sie uns aber nicht geben zu wollen. Sie haben kein Vertrauen in uns und, wir glauben nicht, dass sie über irgendwelche Informationen verfügen", beschrieb Ivanic das wechselseitige Misstrauen.

Der bosnisch-serbische Ministerpräsident wiederholte seinen Standpunkt, dass die Behörden der Serbischen Republik ihren Verpflichtungen (darunter auch der Festnahme von mutmaßlichen Kriegsverbrechern) nachkommen müssten. Er stellte jedoch fest, dass es in der Polizei und anderswo (in der Serbischen Republik) noch viele Menschen gibt, die Sympathien für Karadzic hegten.

Das Parlament der Serbischen Republik hatte im September des Vorjahres die Zusammenarbeit mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal gesetzlich geregelt. Bis jetzt wurde von der bosnisch-serbischen Polizei allerdings keine Festnahme mutmaßlicher Kriegsverbrechern vorgenommen.(APA)

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