Neue Krebsmittel oft automatisch besser bewertet als alte

16. März 2002, 10:01
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Subjektives Urteil der Ärzte verfälscht Studienergebnisse

London - Neue Krebsmittel werden von Ärzten auch ohne stichhaltige Beweise besser bewertet als herkömmliche. Wie Forscher vom Mario Negri Institut in Mailand festgestellt haben, beeinflusst der unbewusste Wunsch des Arztes nach besseren Medikamenten die Urteilskraft über die Wirkung der Testsubstanzen, berichtet die BBC heute, Mittwoch. Die italienischen Forscher fordern daher mehr doppelblinde Studien, bei der weder Arzt noch Patient wissen, welche Mittel vergleichend angewendet werden.

Die Forscher bewiesen den Fehler-Spielraum anhand eines Brustkrebs-Medikaments. Das Mittel wurde erstmals in den 70-er Jahren eingesetzt und die Wirkweise alle zehn Jahre erneut überprüft. Wie das Team um Rolando Fossati vom Mario Negri Institut feststellte, zeigte das Medikament anfangs eine gute Wirkung. Alle fünf Jahre sank die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten auf die Substanz ansprachen um mehr als zehn Prozent. Die größte Abnahme gab es bei Patienten, die nur teilweise auf das Medikament reagierten. Während das komplette Verschwinden des Tumors außer Frage stand, verlief die Einschätzung, wie weit sich ein Tumor zurückgebildete, subjektiv.

In der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Annals of Oncology" berichten die Forscher, dass nur in einer von 29 Studien, die das Brustkrebs-Medikament einbezogen haben, nur eine die Ansprüche einer Doppelblind-Studie erfüllte. Bei lediglich zwei Studien wurden die Patienten-Ergebnisse von anderen Experten begutachtet. "Wir glauben, dass Doppelblind-Studien unbedingt empfohlen werden sollen", so Fossati. Dadurch werde eine Objektivität gewährleistet und das öffentliche Vertrauen bliebe erhalten. "Doppelblind-Studien sind aber kostspielig, da ein zusätzlicher Arzt eingeschaltet werden muss", so Kate Law vom Cancer Research in Großbritannien. Daran könnte die Forderung scheitern. (pte)

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