Ambulanzgebühr: SPÖ bekräftigt Forderung nach ersatzloser Streichung

13. März 2002, 13:14
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Auch Hausärzte für teilweise Abschaffung

Wien - Die SPÖ bekräftigte am Mittwoch ihre Forderung nach einer ersatzlosen Streichung der Ambulanzgebühr. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures sieht die Kritik an den "unsozialen und gesundheitspolitisch falschen Gebühren" durch die jüngsten Aussagen des Verwaltungsdirektors der Landeskrankenanstalten/Uni-Kliniken Innsbruck, Max Laimböck, vollinhaltlich bestätigt. Laimböck erklärte in den "Salzburger Nachrichten", dass die Ambulanzgebühr die gewünschte Wirkung verfehle.

So würden weder die Patienten, wie von der Regierung erhofft, von den Ambulanzen in die Praxen der niedergelassenen Ärzte wandern, noch bringe die Gebühr Einnahmen in erwarteter Höhe. Vielmehr verschlinge allein das Porto für die Gebühreneintreibung vier Prozent der Einnahmen, der Verwaltungsaufwand zehn Prozent. So seien 2001 die Ambulanzbesuche im Vergleich zum Jahr davor um 1,3 Prozentpunkte zurück gegangen. Dabei sei aber ersichtlich, dass der Rückgang im ersten Halbjahr größer war und im zweiten Halbjahr wieder das Vorjahresniveau erreicht wurde. Die Patienten würden so gut wie gar nicht zu den niedergelassenen Ärzten ausweichen, so Laimböck.

Bures hält es für äußerst bedenklich, wonach Patienten wegen der Ambulanzgebühr notwendige Nachuntersuchungen und Kontrolltermine auslassen. Die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin sprach von einem "totalen Scheitern der blau-schwarzen Koaliton in der Gesundheitspolitik". Der von der Regierung angestrebte Lenkungseffekt sei klar verfehlt worden.

Hausärzte fordern teilweise Abschaffung

Der Österreichische Hausärzteverband (ÖHV) fordert die Abschaffung der Ambulanzgebühr bei Zuweisung durch den Hausarzt (derzeit 150 Schilling) sowie den Wegfall der Krankenscheingebühr beim praktischen Arzt. Nach Ansicht des Wiener ÖHV-Präsidenten Peter Hosiner ist durch eine gezielte Zuweisung zu Ambulanzen eine Kostenoptimierung möglich. Zur Krankenscheingebühr meinte er, die medizinische Primärversorgung müsse kostenlos sein. Einer Studie der Ärztekammer zufolge zeigt die Ambulanzgebühr indessen Wirkung.

Demnach registrieren vor allem einige Facharztgruppen in Wien seit Einführung der Ambulanzgebühr einen verstärkten Patientenzustrom. Die mit Abstand größte Zunahme verzeichnen die Internisten mit einem Plus von 12 Prozent. Bei anderen Fachärzten liegt der Zuwachs zwischen vier und sechs Prozent. Lediglich die Gynäkologen konnten kein Plus verzeichnen. Für Hosiner ein Zeichen dafür, dass das persönliche Vertrauensverhältnis zum Frauenarzt ein entscheidendes Kriterium für die Patientinnen ist.

Die Hausärzte selbst registrierten lediglich eine marginale Zunahme von einem halben Prozent. Gründe dafür sind für Hosiner u.a. , dass die Patienten erst jetzt realisieren würden, dass sie zahlen müssen. Hosiner glaubt daher angesichts der Zahlungsaufforderung auch, dass sich künftig mehr Patienten den Gang in die Spitalsambulanz überlegen werden.

Es handelt sich bei der Untersuchung um eine Studie der Ärztekammer für Wien. Verglichen wurden die Arztbesuche in der Bundeshauptstadt für das 1. Halbjahr 2001 mit dem 1. Halbjahr 2000. Eingeführt wurde die Ambulanzgebühr Mitte April des vergangenen Jahres.

Nach Ansicht von ÖHV-Bundessekretär Norbert Jachimowicz müsse dem Hausarzt vermehrt die Funktion eines Koordinators zukommen. Den "Vorteil" der Hausärzte sieht Jachimowicz darin, dass diese eine zielgerichtete Zuweisung zu den "richtigen" Fachärzten und Ambulanzen vornehmen könnten. Dadurch könnten sich Patienten Geld und unnötige Doppel- und Dreifachunersuchungen ersparen.

Idealerweise sollte die Gesundheitsversorgung nach Ansicht von Jachimowicz von einem Vier-Stufen-Modell ausgehen. Die Basisversorgung müsste bei den Hausärzten liegen. Diese sollte auch gebührenfrei sein. In diesem Zusammenhang forderte der ÖHV-Bundessekretär die Regierung auf, ihr Versprechen einzulösen und auf die Chipkartengebühr verzichten. Auf der zweiten Ebene sollten die Fachärzte folgen, dann die Spitalsambulanzen und auf der letzten Stufe schließlich der stationäre Spitalsbereich. (APA)

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