Killer von Mafiajäger Falcone wieder frei

13. März 2002, 11:20
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Täter profitieren von Strafbegünstigungen für reuige Mafiosi

Rom - Zehn Jahre nach dem Mord an dem italienischen Mafiajäger Giovanni Falcone, seiner Frau Francesca und drei Leibwächtern sind die Killer wieder frei. Dank einer Reihe von Strafbegünstigungen konnten die sechs Täter, die in den vergangenen Jahren mit den Justizbehörden zusammengearbeitet haben, wieder "die Freiheit zurückgewinnen", berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Mittwoch. Die Mafiosi waren zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. In Haft bleibt nur der prominente Mafiaboss Giovanni Brusca, der sich als Letzter zur Kooperation mit den Staatsanwälten entschlossen hatte und wegen anderer Morde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden war.

Fünf der enthafteten Killer haben ein neues Leben mit einer neuen Identität begonnen. Nur der Abtrünnige Santo Di Matteo entschloss sich zur Rückkehr in sein sizilianisches Heimatort Altofonte. Di Matteo, einer der wichtigsten Mitarbeiter der Anti-Mafia-Behörden, hatte mit seinen Aussagen die Verhaftung von Falcones Killern ermöglicht. Aus Rache hatte die Mafia im November 1993 seinen elfjährigen Sohn Giuseppe entführt und eineinhalb Jahre in Haft gehalten. Der Bub wurde gefoltert und ermordet, seine Leiche wurde in Säure aufgelöst.

"Man kann nichts gegen das Gesetz machen"

"Man kann nichts gegen das Gesetz machen, das den abtrünnigen Mafiosi starke Strafmilderungen sichert", sagte der Anti-Mafia-Staatsanwalt Luca Tescaroli. Brusca bleibt weiterhin in Haft, weil er derjenige ist, der effektiv die Detonation ausgelöst hat, die Falcones Tod verursachte.

Falcone war im 1992 bei einem Bombenanschlag auf der Autobahn zum Flughafen getötet worden. Im Juli des selben Jahres wurde auch Falcones Mitkämpfer, der Untersuchungsrichter Paolo Borsellino, bei einem Sprengstoffanschlag ermordet.

Die Morde an Falcone und Borsellino mobilisierten die italienische Öffentlichkeit und führten nach Jahrzehnten des "Schweigens" zu einem energischeren Vorgehen gegen das Organisierte Verbrechen. Damals wurden auch Verbindungen zwischen hochgestellten Persönlichkeiten und der Mafia aufgedeckt. Sogar der langjährige Ministerpräsident Giulio Andreotti geriet in den Verdacht, Kontakte zur "Cosa Nostra" unterhalten zu haben. Er wurde allerdings in einem Prozess freigesprochen.(APA)

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