SPÖ: "Abgehobene Männer-Idee"

13. März 2002, 13:35
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Kuntzl: Frauen sollen offenbar bestraft werden - Gusenbauer: Vertrauensgrundsatz würde verletzt

Wien - SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl lehnt eine vorzeitige Anhebung des Frauen-Pensionsantrittsalters entschieden ab. Im Gespräch mit der APA sagte Kuntzl am Mittwoch, es sei "offenbar daran gedacht, den Weg der Abschaffung von Frauenpolitik durch die blau-schwarze Regierung fortzusetzen. Jetzt sollen die Frauen noch dafür bestraft werden, dass sie ihr Leben lang ungleich schwierigere Lebensbedingungen haben als Männer."

Dass die Reformgruppe der Regierung zum Thema Pensionen die Anhebung des Frauen-Pensionsantrittsalters als "Königsweg" bezeichne, ist für Kuntzl nur eine "abgehobene Idee" einer Männergruppe. Es stelle sich die Frage, "wie viele Frauen dieser Expertengruppe angehören".

Eine vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsalters wäre auch ein "unglaublicher Vertrauensbruch gegenüber den Frauen". Es sei festgeschrieben, dass die Angleichung ab 2019 erst dann stattfinden dürfe, wenn die soziale, arbeitsrechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung gegeben sei. Die bestehenden Diskriminierungen der Frauen müssten beseitigt werden, "das ist der entscheidende Passus im Paket". Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg, so Kuntzl.

Die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin gab auch zu bedenken, dass aus arbeitsmarktpolitischer Sicht eine vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsantrittsalters eine "völlig verfehlte Vorgangsweise" wäre. "Noch dazu in Zeiten, wo die Arbeitslosigkeit deutlich ansteigt. Und wir wissen, dass ältere Frauen besondere Probleme haben, einen Arbeitsplatz zu finden."

Gusenbauer: Vertrauensgrundsatz würde verletzt

Die SP-Chef Gusenbauer sprach sich klar gegen die Anhebung des Pensionsalters für Frauen aus. Zwei Argumente führt Gusenbauer ins Treffen: einerseits würde damit der Vertrauensgrundsatz verletzt. Und andererseits werde dadurch die Situation für Frauen nicht verbessert, sondern verschlechtert.

Die Arbeitslosigkeit unter den älteren Arbeitnehmerinnen würde rapide ansteigen - die Frauen also in die Arbeitslose und in weiterer Folge in den Bezug von Notstandshilfe und Sozialhilfe gedrängt. "Wir lehnen diese Regelung daher ab. Das führt zu keiner Verbesserung der Situation", so der SPÖ-Chef. (APA)

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