Gericht verbietet Hindus Ritual für Tempelbau in Ayodhya

13. März 2002, 14:16
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Über den Bau eines Hindu-Tempels auf dem Gelände einer zerstörten Moschee entscheiden die Richter erst später

Neu Delhi - Angesichts der jüngsten Unruhen in Indien dürfen Hindu-Fundamentalisten nicht wie geplant mit dem Bau eines Tempels an Stelle der zerstörten Moschee von Ayodhya beginnen. Der Oberste Gerichtshof in Neu Delhi verbot am Mittwoch vorläufig Rituale, die der Grundsteinlegung oder dem Baubeginn vorausgehen sollten. Der "Welt-Hindu-Rat" VHP hatte solche Rituale für diesen Freitag geplant.

Der Streit um Ayodhya hatte vor zwei Wochen die schlimmsten Unruhen in Indien seit fast zehn Jahren ausgelöst. Dabei wurden mehr als 700 Menschen getötet. Jegliche Aktivität auf dem umstrittenen Gelände würde die Atmosphäre im Land vergiften, urteilte das Gericht. Über die grundsätzliche Frage, ob der Bau eines Tempels in Ayodhya erlaubt wird, entscheiden die Richter erst später.

Im Dezember 1992 hatten Hindu-Fanatiker die Babri-Moschee in Ayodhya aus dem 16. Jahrhundert zerstört. Nach ihrer Meinung war sie unter den Mogulkaisern auf den Trümmern eines Hindu-Temples errichtet worden, der an der Geburtsstätte des Gottes Ram stand. Die Zerstörung 1992 hatte Unruhen ausgelöst, bei denen 2000 Menschen ums Leben kamen.

Das Gelände der zerstörten Moschee ist seitdem abgesperrt. Ein angrenzendes Grundstück, auf dem der VHP den Tempel errichten wollte, wurde vom Staat beschlagnahmt. Verschiedene Gerichte befassen sich mit der Frage, ob der VHP das Recht bekommen soll, einen Tempel zu bauen. Die Hindu-Fundamentalisten haben bereits alle Bauteile für den Tempel herstellen lassen und hatten den Baubeginn für den 15. März angekündigt.

Vor zwei Wochen hatten extremistische Moslems jedoch einen Zug mit VHP-Anhängern in Brand gesteckt und 58 Menschen getötet. Das löste Unruhen aus, die mehr als eine Woche dauerten. Hindus machen 82 Prozent der indischen Bevölkerung aus, Moslems 12 Prozent. Regierungschef Atal Behari Vajpayee gehört zur Hindu-Partei BJP, war aber radikalen Fundamentalisten im Hindu-Lager aber stets entgegengetreten.

Das führte vor zwei Wochen zum Bruch mit dem VHP. Die BJP unterstützte zwar die Ansicht des VHP, dass ein Ritual auf dem Nachbargrundstück in Ayodhya erlaubt werden sollte. Vajpayees Regierung will aber dafür sorgen, dass das Urteil des Obersten Gerichtshofs umgesetzt wird.(APA/dpa)

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