Banken wollen Premiere angeblich einstellen

14. März 2002, 13:10
posten

Stellenabbau von 30 Prozent vorgesehen

München - Die Mehrheit der Banken der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe soll auf eine rasche Einstellung des Abosenders Premiere dringen. Die Pläne des neuen Premiere-Chefs Georg Kofler, den defizitären Sender in zwei Jahren in die Gewinnzone zu bringen, sei von den meisten Gläubigern ablehnend aufgenommen worden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag unter Berufung auf einen Banker. Die Verluste bei Premiere sind einer der Gründe der Finanzkrise bei Kirch.

Auch ein Premiere-Betriebsrat wurde vom Berliner "Tagesspiegel" mit den Worten zitiert, die Banken seien für die Schließung. Um den Sender zu retten, müsste Kirch die Lieferverträge für Filme und Sportveranstaltungen neu verhandeln und zudem einen neuen Gesellschafter finden. Vertreter von Hollywood-Studios hatten laut "Süddeutscher Zeitung" in München aber auf die Erfüllung der bestehenden Verträge gepocht und einen Einstieg bei Premiere abgelehnt.

Um die 700 Millionen Euro Verlust

Der Sender, der rund 2.400 Mitarbeiter beschäftigt, macht nach Konzernangaben jährlich mehr als 600 Mill. Euro Verlust, nach Medienberichten sogar über 800 Mill. Euro. Koflers Sanierungsplan sieht laut "Tagesspiegel" einen Stellenabbau von 30 Prozent - mehreren hundert Mitarbeitern - vor. "Wie fühlen uns verraten und verkauft", sagte ein Betriebsrat.

Eine Hiobsbotschaft für die Banken meldete die "Süddeutsche Zeitung" aus Kirchs Filmbibliothek: Sie sei nach einer Expertise gegenwärtig nicht mehr 1,7 Milliarden Euro wert, sondern nur noch 320 Mill. Euro. Viele große Filmpakete seien am Markt derzeit kaum verkäuflich.

Unterdessen soll der baden-württembergische Regionalfernseh-Betreiber Bernd Schumacher ein Gebot für den Kauf von Kirchs drei Lokalsendern TV München, TV Berlin und Hamburg 1 vorgelegt haben. Die "Financial Times Deutschland" zitierte ihn mit den Worten: "Unser Ziel ist eine bundesweite Kette regionaler Sender." Die drei Stationen sollen bisher 30 Mill. Euro Verlust im Jahr erwirtschaften. (APA/AP)

Share if you care.