Ärzte verschreiben Medikamente für "Shopaholics"

13. März 2002, 11:38
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Jede/r Fünfte hat Probleme, seine Kaufgewohnheiten unter Kontrolle zu halten

London - Ärzte haben begonnen Menschen, die dem Konsumwahn verfallen sind, mit Medikamenten, die üblicherweise zur Behandlung von Depressionen verwendet werden, zu behandeln, berichtet BBC-online am Dienstag. Nach Angaben des Nachrichtensenders wird geschätzt, dass fast jede/r Fünfte Probleme habe, seine Kaufgewohnheiten unter Kontrolle zu halten.

Leichteres Überziehen von Konten und Werbung für Kreditkarten fördern das Kaufverhalten, so Robert Lefever vom Promis Recovery Centre in Kent. Für die Kaufsucht, die in erster Linie Frauen betrifft, wird das Antidepressivum Cipramil verschrieben. Nach ersten Versuchen an 21 "Shopaholics" soll das Medikament bereits positiven Einfluss auf die ungehemmte Kauflust gehabt haben, bestätigt das Promis Recovery Centre, das eine Reihe von Suchtbehandlungen durchführt.

"Der Kaufrausch ist der Spielsucht und dem Alkoholismus nicht unähnlich", so Lefever. Diese Süchte führen zu schweren Problemen, und nicht zuletzt zu finanziellen Schwierigkeiten bei den Betroffenen. "Es gibt das Beispiel der 1000-T-Shirt-Anne, die nicht mehr in ihr Schlafzimmer kann, weil es mit Kleidungsstücken gefüllt ist. Diese Patientin packt die gekaufte Ware nicht einmal mehr aus, sondern stapelt sie nur", so der Mediziner. Das Problem mit der Konsumsucht trete häufig in Zusammenhang mit Essstörungen und Fitness-Wahn auf. Der Mediziner ist im Zweifel, ob die Tabletten die richtige Behandlung sind. "Die Vermutung ist die, dass Leute mit Medikamenten ruhig gestellt werden, damit sie keinen Blödsinn machen. Ich bin mir nicht sicher, ob das wahr ist, aber ich glaube, dass man sie dadurch zu Zombies macht", so der Mediziner. Das Promis Recovery Centre biete auch anonyme Hilfe für Shopaholics an. (pte)

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