Ökonom James Tobin verstorben

13. März 2002, 11:49
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US-amerikanischer Nobelpreisträger wurde Globalisierungskritikern mit Entwicklung der "Tobin-Steuer" zum Leitbild

New Haven/Washington - Der US-Wirtschaftswissenschaftler James Tobin, eine der wichtigsten Stimmen in der Diskussion um die Globalisierung, ist tot. Tobin starb am Montag im Alter von 84 Jahren, wie die Yale-Universität am Dienstag in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut mitteilte. Tobin war 1981 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Weltweit berühmt wurde er durch seinen Vorschlag, eine Steuer auf Devisengeschäfte zu erheben und die Einnahmen den Entwicklungsländern zukommen zu lassen. Die Bewegung der Globalisierungsgegner schrieb sich die "Tobin-Steuer" als Hauptforderung auf die Fahnen, obwohl sich Tobin stets gegen eine Vereinnahmung durch die Bewegung verwahrte.

Multidisziplinäre Forschungen

Die Yale University würdigte Tobin als "einen der einflussreichsten Ökonomen unserer Zeit". Tobin lehrte seit 1950 in Yale und war einer der einflussreichsten Wirtschaftsberater von US-Präsident John F. Kennedy. Den Nobelpreis erhielt er für seine Forschungen über das Verhalten von Investoren, Unternehmen und Verbrauchern in der Finanzwelt. Vom britischen Ökonomen John Maynard Keynes beeinflusst, meinte Tobin, dass die Wirtschaft nicht einfach durch die Manipulation von Geldströmen beeinflusst werden kann; auch Inflation, Arbeitslosigkeit und ähnliche andere Faktoren müssten berücksichtigt werden.

Seinen Vorschlag für die Besteuerung von Devisengeschäften legte Tobin 1971 vor. Damals war das so genannte Bretton-Woods-System fester Devisenkurse zusammengebrochen, Währungs-Zockereien waren an der Tagesordnung. In den Folgejahren brachten gezielte Spekulationen ganze Volkswirtschaften an den Rand des Bankrotts. Die internationalen Organisationen waren zumeist machtlos gegen Finanzkrisen wie in Asien und Lateinamerika. Mit seinem Vorschlag wollte Tobin Devisenspekulationen verteuern und damit weniger attraktiv machen. Die Einnahmen sollten der Weltbank zukommen, die für Hilfen an die Entwicklungsländer zuständig ist.

Viel diskutierte "Tobin-Steuer"

Tobin betonte jedoch stets, dass es ihm in erster Linie um die Eindämmung von Devisengeschäften und damit die Stabilisierung der Wechselkurse gegangen sei. Von der Protestbewegung gegen die Globalisierung distanzierte er sich. Er bekannte sich zum freien Handel und zu Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank, die von vielen Globalisierungsgegnern als Instrumente zur Gängelung der "Dritten Welt" gebrandmarkt werden. Gleichwohl ist die "Tobin-Steuer" zu einem Schlachtruf der Globalisierungsgegner geworden. Aber auch in Regierungen und Parlamenten wird sie diskutiert.

Tobin wuchs als Sohn eines Journalisten und einer Sozialarbeiterin im Bundesstaat Illinois im Mittleren Westen der USA auf. Er studierte an der berühmten Harvard-Universität und diente als Marinesoldat im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg machte er in Harvard seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaften und wechselte 1950 als Lehrer und Forscher nach Yale. Tobin hinterlässt eine 55-jährige Witwe, vier Kinder und drei Enkel.(APA)

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