Karsai bittet Moskau um Hilfe beim Wiederaufbau Afghanistans

13. März 2002, 22:50
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UNO beklagt Menschenrechts- verletzungen in Nordafghanistan

Moskau - Der afghanische Regierungschef Hamid Karsai hat Russland am Dienstag um Hilfe beim Wiederaufbau seines Landes ersucht. Der russische Außenminister Igor Iwanow äußerte sich bei seinem Gespräch mit Karsai zufrieden über die Zusammenarbeit mit der neuen afghanischen Führung. Beide Seiten unterzeichneten insgesamt 17 Abkommen über die Lieferung russischer Industriegüter und Hilfen beim Wiederaufbau der Infrastruktur in Afghanistan.

Russland, das die Taliban-Gegner militärisch unterstützt hat, will Afghanistan auch beim Wiederaufbau der zerstörten Industrie und der Entwicklung einer modernen Armee helfen. Außenamtssprecher Alexander Jakowenko erklärte, sein Land sei bereit, Afghanistan bei der Wiederherstellung von Industrieanlagen zur Seite zu stehen, die von der damaligen Sowjetunion gebaut wurden.

Menschenrechtsverletzungen

Die UNO-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson hat die Verfolgung der paschtunischen Minderheit in Nordafghanistan beklagt. Insbesondere in der Metropole Mazar-i-Sharif häuften sich Fälle von Menschenrechtsverletzungen, sagte Robinson am Dienstag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Paschtunische Frauen würden vergewaltigt, Männer getötet und Häuser geplündert. Die Racheaktionen der tadschikischen und usbekischen Mehrheit im Norden des Landes müssten gestoppt und die Bevölkerung entwaffnet werden, forderte die UNO-Menschenrechtskommissarin. ISAF-Truppen müssten aus diesem Grund auch außerhalb der afghanischen Hauptstadt Kabul stationiert werden.

Die afghanische Interimsregierung in Kabul wies die Vorwürfe als "übertrieben" und größtenteils "unwahr" zurück, kündigte aber zugleich die Einsetzung einer Untersuchungskommission an. Dieser sollten die Minister für Religion, Grenzsicherung und Industrie angehören, sagte ein Kabinettssprecher in Kabul. Regierungschef Karsai habe das Thema bereits mit den Kriegsherren Abdul Raschid Dostum, Atta Mohammed und Hadschi Mohammed Mohakkek diskutiert. Diese repräsentieren die Volksgruppen der Usbeken, Tadschiken und Hasara in der Region. (APA/AP)

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