Wer länger als 20 Stunden pro Woche arbeitet, gefährdet seinen Studienerfolg

14. März 2002, 20:35
posten

Wien - Erwerbstätigkeit, mangelndes Engagement und Theorielastigkeit des Studiums - das sind die Hauptursachen für Studierende, ihre Unikarriere vorzeitig zu beenden. Das geht aus einer neuen österreichweiten Studie hervor, die die Motive von Studienabbrechern untersucht.

Jedes Jahr scheitern durchschnittlich 11.000 Hörer. Laut Untersuchung gibt jeder zweite Abbrecher an, dass sein Studium mit der Erwerbstätigkeit nicht mehr vereinbar gewesen sei (siehe Grafik). Das Abbruchsrisiko steigt bei einer Erwerbstätigkeit von über 20 Stunden pro Woche deutlich an.

"Der Arbeitsmarkt ist attraktiv und zieht die Leute aus ihrem Studium heraus", erklärt Studienautor Franz Kolland vom Institut für Soziologie an der Uni Wien, im Gespräch mit dem STANDARD. Das Studium sei "nicht mehr der Lebensmittelpunkt". Hier sieht Kolland auch Mankos der Unis: "Die Hochschulen halten immer noch am Bild des Vollzeitstudenten fest." Ihre Strukturen müssten der neuen Entwicklung stärker Rechnung tragen. Es reiche nicht, Abendkurse anzubieten.

Von Oktober bis November 2000 hat Kolland Studienabbrecher (Stichprobe: 1503 Personen) telefonisch befragt. Wie sich die Studiengebühren auswirken werden, kann und will Kolland nicht voraussagen. Das Beispiel Schweiz zeige aber, dass hohe Studienbeiträge nicht automatisch weniger Drop-out erzeugen.

Mangelndes Wissen

Ein weiterer Erklärungsfaktor für den Drop-out ist die Schnittstelle Schule-Universität. 45 Prozent der Abbrecher beenden schon in den ersten Semestern ihr Studium. Vielfach, so Kolland, herrsche nach der Matura eine "Phase der Orientierungslosigkeit". Das Studium diene dann als Überbrückung zu einer anderen Ausbildung und sei eine Art "Notnagel". Fast zwei Drittel der befragten Abbrecher kritisieren die mangelnde Vorbereitung hinsichtlich der selbstständigen Studiengestaltung. Sich vorher besser beraten zu lassen, ist sein einfacher Rat an die Studierenden. Beratungsstellen gebe es genug.

Frauen brechen ihr Studium früher ab. "Für Frauen erfüllt das Studium oft eine andere Funktion. Es geht ihnen auch um Selbstverwirklichung", sagt Kolland. Ein weiterer Grund sei, dass Frauen die Unis "fremd" bleiben - sie sich nicht "wohlfühlen".

Der Zeitpunkt des Abbruchs fällt an Österreichs Unis höchst unterschiedlich aus. So hat Klagenfurt den höchsten Anteil an Abbrechern im ersten Studienjahr (45 Prozent). An der Wiener Wirtschaftsuni ist er mit elf Prozent vergleichsweise niedrig.

Nach Studienrichtungen zeigt sich, dass Fremdsprachenstudien wie auch die human- und sozialwissenschaftliche Fächer eine hohe Drop-out-Quote aufweisen - im Gegensatz zu vielen naturwissenschaftlichen Fächern. Kolland: "Die Studierenden haben in Studienrichtungen, die stark strukturiert oder sehr berufsorientiert sind, mehr Erfolg." Drei Viertel der Befragten nehmen die Uni als chaotisch wahr.

Studienabbruchtagung

Am Donnerstag findet an der Universität Wien eine Fachtagung zum Thema statt (Uni Wien, Kleiner Festsaal, 9.00 bis 19.00 Uhr). Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2002)

Von Peter Mayr

Studienabbruchtagung
Share if you care.