Bevölkerungszuwachs wird schwächer

12. März 2002, 19:15
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UNO-Experten schätzen nun weniger als zehn Milliarden am Ende des 21. Jahrhunderts

New York - Das Wachstum der Weltbevölkerung hat sich laut einer Studie der Vereinten Nationen in den vergangenen Jahren deutlich verlangsamt. Dadurch könnten die Prognosen, die auf zehn Milliarden Erdenbürger am Ende des 21. Jahrhunderts lauten, womöglich auf acht bis neun Milliarden zurückgeschraubt werden, hieß es am Montagabend bei einer Versammlung von Demographen am UN-Sitz in New York. Ein realer Rückgang der Bevölkerungszahl sei allerdings erst im nächsten Jahrhundert zu erwarten.

Wie Joseph Chamie vom Weltbevölkerungsfonds mitteilte, treffen auch in den Entwicklungsländern immer mehr Frauen die Entscheidung, weniger Kinder zu haben - eine Folge des erleichterten Zugangs zu Verhütungsmitteln. Zudem gebe es durch mehr Bildungsmöglichkeiten bessere Grundlagen für selbst-bewusste Entscheidungen.

Die Vereinten Nationen platzieren 74 Länder bezüglich ihrer Fruchtbarkeitsquote in einer so genannten Mittelgruppe. Dort bringen Frauen zurzeit durchschnittlich 2,1 bis fünf Kinder zur Welt, doch im Jahre 2050 dürften es nur noch 1,85 sein.

Jede Geburtenrate unter zwei Kindern pro Frau hat einen realen Einwohnerverlust zur Folge. Und da die so genannte Mittelgruppe 43 Prozent der Weltbevölkerung aus-macht, hätte eine solche Entwicklung weitgehende Auswirkungen, betonte Chamie. Allein in Indien, das ebenso zu dieser Gruppe gehört wie Brasilien, Ägypten, Indonesien, Bangladesch, Iran, Mexiko oder die Philippinen, würde dies einen Bevölkerungsrückgang um 85 Millionen Menschen ausmachen.

Weltweit ist die Geburtenrate den Angaben der UNO-Experten zufolge von fünf im Jahre 1965 auf heute 2,7 gesunken. In Europa bringt jede Frau im Durchschnitt nur noch 1,34 Kinder zur Welt, in Japan 1,33. (AP, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2002)

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