Alltagsfragen

13. März 2002, 18:56
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Elisabeth T. Spira interviewt wieder Arbeitslose, Trinker und arbeitslose Trinker, diesmal an der Brünnerstraße in Wien. - 13. März 2002

Gesungen wird ausnahmsweise nicht, hingegen erscheint Spiras Fragenstakkato bemerkenswert. Textauszüge aus der jüngsten Folge der "Alltagsgeschichte" (13. 3., 21 Uhr, ORF2) wollen wir Ihnen deshalb nicht vorenthalten:

"Wie oft sind Sie da? Und jeden Tag? Wie alt sind Sie? Wie wird man so alt? Haben Sie zu den Reichen gehört oder zu den Armen? Wie sind Sie so glücklich? Leben Sie zusammen mit den Kindern? Drei sind schon gestorben, wieso?"

"Sind Sie auf der Durchreise oder wo kommt's ihr her? Und ihr kommt's öfter hierher, warum? Was macht's ihr nachher? Fahrt's ihr wieder z'haus? Wie oft macht's ihr solche Ausflüge? Wirklich? Und ihr zwei seid's glücklich miteinander?"

"Sie sind scheinbar täglicher Stammgast? Wie lange sind Sie da immer? Und um fünf gehen Sie dann nach Hause? Wohin gehen Sie da essen? Ins nächste Wirtshaus? Wann gehen Sie jemals nach Hause? Und wartet niemand auf Sie zu Hause? Ist das angenehm?"

"Haben Sie Angst vorm Sterben? Vor dem Tod? Vor was haben Sie Angst, wenn Sie an den Tod denken? Was könnte passieren?"

Selten zuvor hat Elisabeth T. Spira ihre Fragen so routiniert gestellt. Selten zuvor hat sie den Objekten ihrer Begierde so wenig Raum zu unpeinlicher Selbstdarstellung gelassen und selber so stark ins Geschehen eingegriffen. Vielleicht sollte sie ihre "Darsteller" doch wieder singen lassen. (prie/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 13. März 2002)

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