Lieber mehr, als das ORF-Gesetz erlaubt

13. März 2002, 18:51
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"Inhalte werden zuerst in Radio und Fernsehen und dann erst online präsentiert", sagt Onlinedirektor Schwärzler im STANDARD-Inteview

Der Küniglberg hat seinen ersten Onlinedirektor: Ronald Schwärzler über seinen Abschied von der FPÖ und seinen Transfer zum früheren Angriffsziel ORF. Auch wie er dessen Tempo im Netz wahrnimmt, erklärte er Harald Fidler.

STANDARD: Wozu braucht der ORF einen Onlinedirektor?

Schwärzler: Der ORF zeigt damit ernste Ansätze, neben Radio und Fernsehen gleichwertig ein drittes Medium zu etablieren.

STANDARD: Gab es bisher kein ernsthaftes Bemühen? Von Trimedialität hat Exgeneral Gerhard Weis schon vor vier Jahren gesprochen. War das nur heiße Luft?

Schwärzler: Es ist ein hochprofessionelles, sehr gutes Angebot entstanden, neben ORF On in diversen Bereichen des Unternehmens.

STANDARD: Aus Konsumentensicht: Was fehlt denn im derzeitigen Angebot?

Schwärzler: Das Internet wird derzeit noch als nachgelagertes Medium gesehen. Inhalte werden zuerst in Radio und Fernsehen und dann erst online präsentiert.

STANDARD: Sie meinen damit, von beispielsweise einem Ereignis wird derzeit erst im Radio, dann im Fernsehen und danach erst im Internet berichtet?

Schwärzler: Das ist derzeit größtenteils die Sachlage, ja. Ich glaube, da braucht es eigenes Selbstbewusstsein.

STANDARD: Wie steht es mit Bewegtbild im Internet?

Schwärzler: Die Bandbreite ist noch das Problem. Damit werden wir uns in nächster Zeit beschäftigen.

STANDARD: Sie sind zwar Direktor, aber personell unterstehen Ihnen direkt nicht viele Leute, sieht man von ein paar Dutzend bei ORF On ab.

Schwärzler: Ich werde auch Teletext, dazu die Budgethoheit über alle Onlineangebote verantworten.

STANDARD: Regional tätige Onlinemitarbeiter unterstehen weiter den Landesdirektoren. Die müssen Ihren Plänen nicht unbedingt folgen.

Schwärzler: Auf der inhaltlichen Seite; technisch lege ich Wert auf Abstimmung.

STANDARD: Der Teletext des ORF untersteht derzeit gleich drei Direktoren. Nimmt man jetzt zum Beispiel dem Radiodirektor diese Mitarbeiter einfach weg?

Schwärzler: Das Personelle wird noch Gegenstand von Gesprächen sein.

STANDARD: Bleibt Franz Manola Chef von ORF On?

Schwärzler: Ich habe nichts Gegenteiliges gehört.

STANDARD: Gleich nach der Wahl sprachen Sie in einem ersten Statement von zusätzlichen ORF-Angeboten fürs Handy - welche sollen das denn sein?

Schwärzler: Zum Beispiel Verkehrsinformation. Dafür wäre man als User auch bereit zu zahlen.

STANDARD: Als Chef eines Vorarlberger Onlineunternehmens wollten Sie für die Übernahme von ORF-Inhalten nicht zahlen und landeten vor Gericht.

Schwärzler: Das war keine gerichtliche Sache. Die Übernahme von Radiosendungen war geduldet, aber nicht formal genehmigt.

STANDARD: Sie haben damals auch den ORF geklagt, weil er ORF On im Fernsehen bewarb.

Schwärzler: Entsteht der Eindruck, ein Mitbewerber verschafft sich einen Vorteil, muss ich als Geschäftsführer eines Unternehmens zum Beispiel übers Wettbewerbsrecht versuchen, die Chancen des eigenen Unternehmens zu verbessern. Als ORF-Direktor hingegen wäre mir lieber, wir hätten mehr Möglichkeiten, als das Gesetz bietet. Auch im Fußball schießen Spieler nach einem Transfer für einen anderen Verein Tore.

STANDARD: Sie sind im Sportausschuss der Gemeinde Nenzing, fallen aber nicht unter die Politikerklausel des ORF-Gesetzes.

Schwärzler: Ich habe 1997 meine Mitgliedschaft in der Gemeindevertretung und der Freiheitlichen Partei Nenzing zurückgelegt.

STANDARD: Was gehen Sie jetzt als Erstes an?

Schwärzler: In der Vermarktung von ORF On wird man rasch Ergebnisse sehen können. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. März 2002)

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