Simbabwes Oppositionschef Morgan Tsvangirai: Ein Mann, der nicht klein beigibt

14. März 2002, 15:16
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Der Mann hat eigentlich keine Chance, aber er nutzt sie. Mit allen Mitteln versuchte Simbabwes greiser Langzeitpräsident Robert Mugabe seinem Widersacher Morgan Tsvangirai das Leben buchstäblich unmöglich zu machen. Schon 1998 begann Mugabes Geheimdienst gegen den populären Oppositionellen aktiv zu werden.

Ein Schlägertrupp überfiel damals Tsvangirai in seinem Büro, prügelte ihn fast bewusstlos und wollte ihn aus dem Fenster im dreizehnten Stock werfen. Dank der Hilfe einiger Freunde kam Tsvangirai knapp davon. Öfter wurde auf sein Fahrzeug geschossen, einer seiner Fahrer wurde während des Wahlkampfes ermordet. Die Polizei nimmt Tsvangirai immer wieder fest, kürzlich wurde er sogar beschuldigt, Präsident Mugabe ermorden zu wollen. Permanent werden Anklagen gegen den ehemaligen Gewerkschaftschef erhoben, die später wieder fallen gelassen werden. Das Regime will ihn mürbe klopfen.

Doch einer wie Tsvangirai gibt nicht so schnell klein bei. Für den heute fast auf den Tag genau Fünfzigjährigen war das bisherige Leben eine harte Schule. Als ältester Sohn eines Maurers wurde Tsvangirai südlich der Hauptstadt Harare geboren. Früh musste der junge Morgan die Schule verlassen, um Geld für seine acht Geschwister zu verdienen, die Familie war bettelarm.

Tsvangirai verdingte sich als Kranführer, arbeitete in verschiedenen Kupferminen und kümmerte sich anfänglich wenig um Politik. Sogar während der Befreiungskriege griff Tsvangirai nicht zu den Waffen, sondern rackerte sich unverdrossen für seine Familie ab; das wurde ihm später zum Vorwurf gemacht.

Erst nach der Unabhängigkeit begann seine politische Karriere: Er wurde in die Führung der Bergarbeitergewerkschaft gewählt und stand ab 1988 als Generalsekretär an der Spitze des Gewerkschaftsdachverbandes, der damals noch der Regierung von Mugabe zugerechnet wurde. Dazwischen hat er geheiratet und mit seiner Frau Susan sechs Kinder in die Welt gesetzt.

Tsvangirai sah die immer größer werdende Not der Menschen, die wachsende Unfähigkeit der Regierenden und tat Unerhörtes: Er organisierte Streiks gegen die Regierung Mugabe. Zum ersten Mal erfuhr der alte Staatschef Widerstand und reagierte hart: Mugabe griff zu brachialer Gewalt und verließ endgültig den Boden der Demokratie.

Doch Tsvangirai, der rundliche, stets gemütlich wirkende Fußballnarr, gab nicht auf. Er gründete 1999 die Oppositionspartei "Bewegung für Demokratischen Wandel" (MDC), die rasch beträchtlichen Zulauf hatte. Bei den Parlamentswahlen im selben Jahr erreichte die MDC bereits 49 Prozent der Stimmen. Jetzt nimmt er Anlauf, um den Despoten Mugabe endgültig von der Macht zu vertreiben. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 13.3.2002)

Gerhard Plott
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