Krumpendorf, leicht deformiert

13. März 2002, 02:08
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Die abmontierte und viel gesuchte Ortstafel ist nun in einer Kunstausschreibung wieder aufgetaucht

Krumpendorf/Wien - "Aluminiumblech, armiert, lackbeschichtet, 182 mal 22 cm, leicht deformiert" - eineinhalb Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden der Ortstafeln von Krumpendorf am Wörthersee in Kärnten ist nun eine davon wieder aufgetaucht. Als Objekt einer "internationalen Kunstausschreibung". Eine "Internationale Klara Moser Gesellschaft" lädt via Internet dazu ein, "das Objekt, das vom Diebstahl am 26. September 2000 stammt, im Rahmen einer Be- Über- oder Verarbeitung, Verformung, Inszenierung oder Dramatisierung, Vervielfältigung oder Vernichtung zu interpretieren".

Die Aktion läuft unter dem Titel "Krumpendorf ist ein Symbol". Hintergrund: Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (FPÖ) hatte 1995 in Krumpendorf bei der jährlich stattfindenden Versammlung der Waffen-SS gesagt: "Es ist gut, dass es in dieser Welt noch anständige Menschen gibt, die einen Charakter haben, die auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen und ihrer Überzeugung bis heute treu geblieben sind." Diese Aussage, aufgenommen von einem deutschen Filmteam, sorgten weltweit für Empörung - DER STANDARD berichtete.

Auf ihrer Homepage lüftet "Weltbummlerin" Klara Moser auch das Geheimnis um den Verbleib weiterer Krumpendorf-Tafeln. Eine sei zersägt worden: Der Teil "Krump" sei an den Wiener FP-Chef Hilmar Kabas für dessen Hump-Dump-Affäre geschickt worden, das Zwischenstück "end" an die Bundesregierung und der Rest "orf" an den ORF. Der Ortstafeldiebstahl ist bereits mehreren Künstlern, darunter Bildhauer Alfred Hrdlicka, angedichtet worden. Der hatte aber glaubhaft versichert: "Ich weiß ja nicht einmal, wo Krumpendorf liegt."
(simo/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 3. 2002)

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