Drei Monate warten auf Studienbeihilfe

12. März 2002, 19:01
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Erfahrung zeigt: Ohne Urgieren kein Geld

Wien - "Wer vom Staat was will, muss warten können": So beschreibt Johanna den Tenor der Sachbearbeiterin der Studienbeihilfebehörde Wien, bei der sie nach fast drei Monaten Wartezeit auf einen Bescheid telefonisch ihr Geld urgierte. Der Grund für die Verzögerung sei "nichts als die Inkompetenz der Behörden", ist sich Johanna sicher.

Bereits Mitte Oktober hat die 24-jährige Pädagogikstudentin ihren Antrag gestellt, komplett mit den Gehaltsbestätigungen ihrer Mutter und ihres ebenfalls studierenden Ehemannes, dem Inskriptionsnachweis, dem Inskriptionsnachweis der Schwester, Schulnachweis des Bruders, Geburtsurkunde ihrer Tochter und Meldezetteln von allen Familienmitgliedern.

Zwei Monate später forderte die Beihilfebehörde einen Pensionsnachweis der Mutter. "Meine Mutter war das ganze letzte Jahr krank", erklärt Johanna, "als Einkommensnachweis hatte ich daher eine Bestätigung über den Krankengeldbezug geschickt". Ihre Schwester hätte "genau dieselben Unterlagen" eingereicht und hätte binnen sechs Wochen einen positiven Bescheid bekommen. Allerdings, räumt Johanna ein, "hat meine Schwester keinen Mann, der Südafrikaner ist - vielleicht hat das ja die Verwirrung gestiftet." Statt weitere Nachweise zu erbringen, urgierte Johanna ihr Geld - und prallte auf Mauern: "Ihr Antrag ist schon bearbeitet", hieß es kurz vor Weihnachten und "wir arbeiten daran" Anfang Jänner. Das Geld war schließlich Ende der dritten Jännerwoche auf dem Konto.

Da die Studienbeihilfe für ein Jahr genehmigt wird, hatte Johanna im August ihren letzten Monatsbezug von 363 Euro erhalten. Auch heuer wird sie einen Teil der Beihilfe zurücklegen, um die Zeit von Anfang September bis zum Erhalt des Geldes zu überbrücken, denn "bisher musste ich jedes Jahr urgieren". Im Vorjahr seien die Behörden aufgrund eines Computerfehlers anfangs der Ansicht gewesen, Johanna sei "nicht stipendienberechtigt". (east)

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    Der Bundessekretär des VSSTÖ, Georg Brockmeyer, bei einer Protestaktion unter dem Motto "Soziale Kälte - Uns steht das Wasser bis zum Hals"

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