"Nein, da fahre ich bestimmt nicht hin"

12. März 2002, 18:52
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Seit mehr als zehn Jahren regiert in Myanmar eine Militärjunta - Die Siegerin bei den letzten demokratischen Wahlen, Aung San Suu Kyi, sitzt immer noch in Hausarrest

"Nein, seien Sie nicht böse, dort fahre ich bestimmt nicht hin, ich habe Angst." Der Taxifahrer in der burmesischen Metropole Rangun lehnt lieber den angebotenen Zuschlag ab, in die Universitätsstraße fährt er den Kunden nicht. Was ist an ihr so seltsam? Unter Hausarrest lebt hier Aung San Suu Kyi, Siegerin der letzten freien Wahlen in Burma und Friedensnobelpreisträgerin.

Die Universitätsstraße, früher eine der Hauptverkehrsadern der Stadt, ist heute von beiden Seiten mit Schlagbäumen gesperrt. Die Einheimischen betreten sie überhaupt nicht, und wenn ein Ausländer sich dorthin begeben will, wird er noch weit vor der eigentlichen Absperrung von Geheimpolizisten zurückgewiesen. Zutritt zum Haus von Suu Kyi hat nur eine Helferin, die das Essen bringt und sauber macht, und ein naher Mitarbeiter der Opposition.

Auch zwölf Jahre nach dem Wahltriumph der oppositionellen Nationalliga für Demokratie (NLD) bleibt Burma - in den letzten zehn Jahren Myanmar genannt - ein dunkles Land mit einem der unerbittlichsten Regime der Welt. In den Gefängnissen sitzen nach Angaben von Amnesty International tausendsechshundert politische Gefangene, freie Meinungsäußerung wird mit mehrjähriger Haft bestraft, Menschen werden zu Sklavenarbeit gezwungen.

Im Land sind Internet und Satellitentelefon verboten, E-Mails können nur unter strenger Aufsicht einer speziellen Zentrale benutzt werden. Mobiltelefone besitzen offiziell nur Armee, Polizei und Regierungsmitglieder. Die Zeitungen und das Fernsehen bringen nichts anderes als Propaganda zugunsten der Junta. Die Menschen besitzen keinen Reisepass, erwerben können sie ihn nur gegen eine hohe Gebühr einmalig für eine bestimmte Reise, wobei ihnen der Pass nach der Rückkehr wieder abgenommen wird.

Der Besitz eines Faxgeräts ohne Genehmigung wird mit Gefängnis bestraft. "Die Genehmigung würde ich nur gegen ein hohes Bestechungsgeld bekommen, deswegen habe ich das Fax illegal", sagt ein europäischer Händler, der in Rangun lebt.

In der Bemühung, sich an der Macht zu halten, gab das burmesische Militärregime nach 1990 die sozialistische Ideologie auf und stürzte sich auf die Propagierung des Buddhismus. Die Generäle geben Geld für die Reparatur von Klöstern, zeigen sich täglich im Fernsehen bei Debatten mit Mönchen, bei Gebeten oder bei der Eröffnung von Ausstellungen mit buddhistischer Thematik. "Die Generäle wissen gut, dass man ohne die Unterstützung der Mönche in diesem religiösen Land nicht regieren kann", sagt ein Diplomat in Rangun.

Benzin auf Zuteilung

Die wirtschaftliche Situation ist schlecht. Wegen Verletzung der Menschenrechte hat Burma mit Wirtschaftssanktionen zu kämpfen, Benzin und einige Grundnahrungsmittel wie beispielsweise Öl gibt es auf Zuteilung. Nichts aber gibt über die wirtschaftliche Realität des heutigen Burma besser Auskunft als der Kurs der Währung Kyat. Während in offiziellen Wechselstuben sieben Kyat für einen Dollar verkauft werden, sind es auf dem Schwarzmarkt 700.

Vor allem die internationale Isolation zwang die Generäle dazu, mit Verhandlungen mit der Opposition zu beginnen. Seit Oktober 2000 verläuft ein Dialog zwischen der Regierung und der oppositionellen Führerin Suu Kyi. Niemand weiß aber, wie dieser aussieht, wie oft sich beide Seiten treffen, wo und worüber gesprochen wird - die Generäle haben sich Diskretion ausbedungen. Glaubt man Ismail Razali, dem Sonderbeauftragten der UNO für Burma, ist bei den Gesprächen nichts weitergegangen. Einige Gefangene wurden freigelassen, die NLD bisher nicht verboten.


(DER STANDARD, Printausgabe, 13.3.2002)
Seit mehr als zehn Jahren regiert in Myanmar eine Militärjunta. Die Siegerin bei den letzten demokratischen Wahlen, Aung San Suu Kyi, sitzt beinahe ebenso lange in Hausarrest. Seit kurzem gibt es Gespräche zwischen Demokraten und Militärs - bisher ohne erkennbaren Erfolg.


Marek Svehla aus Rangun

Marek Svehla ist Redakteur der tschechischen Wochenzeitung "Respekt"
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