Höhere Flexibilität entscheidet

12. März 2002, 17:37
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Für Abfertigung neu spricht die Mobilität, nicht der Ertragsvergleich

Wien - Die Attraktivität der Abfertigung neu für den einzelnen Arbeitnehmer hängt vor allem davon ab, mit welch stabilen Dienstverhältnissen dieser für die Zukunft rechnet oder wie sehr er auf Flexibilität Wert legt. Der zunehmende Fluktuationsdruck auf dem Arbeitsmarkt spricht aber natürlich für das neue System, weil es Ansprüche auf Abfertigung vom ersten Arbeitstag an generiert und bei Dienstgeberwechsel wahrt.

Wie sich der Umstieg vom alten ins neue System für den Arbeitnehmer gestaltet, dafür sieht der Regierungsentwurf lediglich vor, dass er in Einzelvereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu vereinbaren ist, er hängt also konkret von der individuellen Verhandlungsmacht ab. Auszugehen ist dabei wohl davon, dass der Arbeitnehmer einen Teil seiner bisherigen Ansprüche aus der Abfertigung alt verlieren wird.

Nimmt man fiktive, ununterbrochene Arbeitnehmerkarrieren ohne Dienstnehmerwechsel als Basis, dann hängt die Bewertung der beiden Systeme aus der Sicht der Arbeitnehmer von der Gehaltskurve und der Verzinsung des aufgesparten Kapitals ab: Je schwächer die jährlichen Gehaltssteigerungen sind und je höher die Verzinsung, umso eher wird das neue System attraktiv. In der Regel ergibt sich aber, dass das alte System am Ende höhere Ansprüche verspricht. Dies zeigt eine Modellrechnung für drei beispielhafte Karrieren (einen Arbeiter ab 18 Jahre, ein Maturant ab 22, ein Akademiker ab 27), die die Allgemeine Pensionskasse (APK) für den STANDARD unternommen hat. Sie ist für einen sehr hohen Veranlagungserfolg von sechs Prozent für die Abfertigung neu kalkuliert. Selbst dann ergibt sich nur für den Arbeiter mit einer Gehaltssteigerung von jährlich drei Prozent ab dem 37. Dienstjahr ein höherer Anspruch aus dem neuen System. In allen anderen Fällen sind die Ansprüche im alten System deutlich höher. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 13.3.2002)

Johannes Steiner
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