Bei Görg-Nachfolge auch Schüssel im Gespräch

14. März 2002, 22:47
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In der Wiener ÖVP brechen nach dem Sturm nun die Gräben auf

Wien - An der Gerüchtebörse für die Nachfolge des scheidenden Wiener ÖVP-Obmann Bernhard Görg ist ein neuer, prominienter Name aufgetaucht. Die "Kronen-Zeitung" berichtet, Bundeskanzler Schüssel könnte das Amt übernehmen. Zu seiner Entlastung müsste ihm aber ein geschäftsführender Obmann zur Seite gestellt werden, der gleichzeitig als Klubchef der schwarzen Rathausriege fungiert.

Als Quelle wurden gewichtige Persönlichkeiten der Wiener VP, vor allem des ÖAAB". Der Wiener ÖAAB-Obmann Matthias Tschirf erklärte dazu allerdings auf Anfrage der APA: "Ich schließe aus, dass diese Information aus dem Wiener ÖAAB kommt."

Ruhe vor dem Sturm

Mit "Ruhe nach dem Sturm" umschrieb am Donnerstag ein Mitarbeiter der Wiener ÖVP die interne Stimmung nach der Rücktrittsankündigung von Landesobmann Bernhard Görg. Ruhig dürfte es parteiintern aber nicht zugehen. Die Vorgangsweise jener Gruppe, die letztlich den Rückzug Görgs herbeigeführt hat, wird zum Teil scharf kritisiert. Und Innenminister Ernst Strasser, Favorit der Gegner Görgs für die Nachfolge des scheidenden Parteichefs, winkte noch einmal ab.

"Ich halte dieses Amt des Innenministers mit dem des Wiener-ÖVP-Chefs für inkompatibel, weil ich für die Sicherheit von Wien eine gute Gesprächsbasis mit dem Bürgermeister Häupl weiter haben will und das könnte zu Schwierigkeiten führen. Daher stehe ich für dieses Amt nicht zur Verfügung", wird Strasser auf der Homepage von Radio Wien zitiert. Der Döblinger Bezirksvorsteher Adolf Tiller als Wortführer der Görg-kritischen Bezirke hatte am Mittwoch angekündigt, alles tun zu wollen, Strasser zu überzeugen.

Nicht nur Freunde

Die Vorgangsweise der Gruppe um Tiller findet aber nicht nur Freunde. Der nichtamtsführende Stadtrat Peter Marboe meinte am Donnerstag, Görg sei "einer der besten Kommunalpolitiker, die wir haben". Die im Vorjahr vereinbarte Vorgangsweise, nach der Nationalratswahl den Wechsel durchzuführen, wäre eine sehr vernünftige gewesen. Nationalrats- und Gemeinderatswahl könnten aus seiner Sicht auch nicht voneinander getrennt betrachtet werden.

Zur weiteren Vorgangsweise sagte Marboe, er plädiere jedenfalls für die Einbeziehung Görgs. Er selbst sei jedenfalls kein Kandidat.

Kritik an den "Königsmördern" kam aber auch von Gemeinderat Alexander Neuhuber: "Ich weiß nicht, ob die Königsmörder wissen, was sie da tun. Den Obmann zu killen, ohne eine Alternative zu haben, ist nicht das Gescheiteste. Jetzt heißt es wieder: jeder gegen jeden", wird Neuhuber im "Standard" zitiert. In der "Presse" meint er: "Gerade jetzt, wo wir laut Umfragen auf Platz vier hinter den Grünen liegen, brauchen wir jemanden, der für deren Sympathisanten auch wählbar ist. Sogar die Kinder von VP-Funktionären wählen grün, die müssen wir zurückholen." Die schwächelnde FPÖ sei jedenfalls nicht das Problem, so Neuhuber.

Unterdessen tauchte an der Gerüchtebörse am Donnerstag mit dem Europa-Abgeordneten Othmar Karas ein neuer Name auf. Ebenfalls genannt wurden aus Wien der Gemeinderat und frühere Landesgeschäftsführer Johannes Hahn sowie der geschäftsführende Klubchef Matthias Tschirf. Hahn war auf einer Dienstreise im Ausland und daher nicht erreichbar, Tschirf wollte keine Auskunft geben: "Ich kommentiere keinen Namen, also auch nicht meinen."

Von Bundesseite wurden neben Strasser Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat, die ebenfalls abgelehnt hat, sowie die Staatssekretäre Alfred Finz und Franz Morak genannt. Finz wollte vor dem Landesparteitag am Dienstag keine Stellungnahme abgeben. (APA)

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