Eine Milliarde Dollar Verlust bis 2004 erwartet

14. März 2002, 12:17
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Schwarze Zahlen erst durch Spieleverkauf - Japan-Debut laut FT eine Enttäuschung - In Europa am teuersten

Microsoft drängt mit aller Macht in den neuen Markt. Eine halbe Milliarde Dollar an Werbeausgaben lässt sich das Software-Unternehmen seinen ersten ernsthaften Ausflug in die Hardware-Welt kosten. Für die Einführung in Europa stehe ein gutes Drittel dieser Summe zur Verfügung.

Verluste

Doch damit ist es noch lange nicht getan: Die US-Investmentbank Morgan Stanley schätzt, dass Microsoft bis 2004 durch das XBox-Abenteuer 1 Milliarden Dollar verlieren wird. Experten schätzen, dass Microsoft die hochgezüchtete XBox in Europa 100 bis 125 Euro unter ihrem eigentlichen Wert verkauft, um schnell Marktanteile zu ergattern. Deshalb sind erst durch den Verkauf von Spielen schwarze Zahlen zu erwarten, die im Schnitt um die 70 Euro kosten. Mit 19 solchen Spielen geht Microsoft in Europa an den Start. Bis zur Jahresmitte sollen es 60 sein.

Erwartungsgemäß

In den USA ging die Konsole zwischen dem Verkaufsstart am 15. November und dem Jahresende 1,5 Millionen Mal über die Ladentische. In Japan, wo die XBox seit dem 22. Februar zu haben ist, spricht Microsoft von einem Verkauf "gemäß unseren Erwartungen", die "Financial Times" (FT) dagegen von einer Enttäuschung. Die XBox-Verkäufe in Japan seien nicht sehr imposant gewesen. Nur 124.000 von 250.000 seien in den ersten zwei Wochen verkauft worden, deutlich weniger als von Sonys PS2, die in den ersten beiden Wochen eine Million Mal verkauft worden sei, so die FT.

Zerstörerische Kraft

Peinlich war zudem, dass der US-Konzern dort Dutzende Konsolen zurückrufen musste, weil das DVD-Laufwerk Kratzer auf den Spielescheiben produzierte. Microsoft sei in Japan kräftig gestolpert, so die FT weiter, und wirft dem Konzern langsame und zögerliche Reaktion vor. Zeitweise hätten deswegen drei große japanische Händler den XBox-Verkauf ausgesetzt.

Deftiger Preis

Doch weniger die Technik als der Preis dürfte für Microsoft in Europa zum Hindernis werden. Mit 479 Euro ist die XBox auf dem Alten Kontinent so teuer wie nirgendwo sonst: Waren es in den USA zum Verkaufsstart 225 Euro und damit nicht einmal die Hälfte des Europa-Preises, so sind es in Japan rund 300 Euro. Eine stichhaltige Erklärung hat das Unternehmen für den Preisunterschied nicht parat. Es verweist lediglich auf "unterschiedliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen".

Konkurrenz

Ob Microsoft diese Linie durchhalten kann, wird in der Branche bezweifelt. Marktführer Sony ist mit der PlayStation 2 rund 180 Euro billiger und der Anfang Mai in Europa startende GameCube von Nintendo soll nochmals darunter liegen. Spätestens dann dürfte Microsoft seine Preispolitik überdenken müssen. Wer seinen Spieltrieb in Grenzen halten kann, sollte deshalb zunächst vor allem eines tun: abwarten. (APA)

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