Microsoft bricht mit XBox zu neuen Ufern auf

13. März 2002, 14:05
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Händler verdienen an Spielekonsole kaum etwas - Bis zum Sommer sollen in Österreich 30.000 Geräte verkauft werden

Am Donnerstag werden am europäischen Videospielmarkt die Karten neu gemischt: Mit enormem Werbeaufwand bringt der US-Softwarekonzern Microsoft seine Konsole XBox in Österreich und in weiteren 15 europäischen Ländern auf den Markt. Mit superrealistischer Grafik will das Unternehmen die Konkurrenten Sony und Nintendo abhängen. Für die Software-Schmiede geht es nicht nur darum, sich mit der XBox angesichts der Flaute auf dem PC-Markt ein neues Standbein zu schaffen, Microsoft eröffnet damit auch den Kampf um die Wohnzimmer, in denen künftig Internet, Fernsehen und Unterhaltungselektronik verschmelzen sollen.

Elektrohandel hat wenig davon

Dem heimischen Elektrohandel bringt die 479 Euro teure Spielkonsole zwar Impulse und neue Kunden, unterm Strich bleibt den Händlern aber kaum etwas. "Im schlimmsten Fall müssen Geschäfte beim Verkauf sogar etwas drauflegen", war schon vor Tagen aus der Branche zu vernehmen. Microsoft Österreich wies diese Darstellung zurück, die Spielkonsole sei "wie immer" kalkuliert. Vor allem Spiele und Zubehör - auf die ein Drittel bis die Hälfte des Umsatzes bei den Spielkonsolen entfallen - bringen der Elektrohandelsbranche etwas bessere Spannen.

Pläne

Laut Branchenkennern peilt Microsoft in Österreich bis zum Sommer den Verkauf von 30.000 XBox an, in ganz Europa sollen es rund 1,5 Millionen Stück und damit ähnlich viele wie bis Jahresende 2001 in den USA sein. Dort wurde der Verkauf bereits am 15. November 2001 gestartet. Gemessen wird der XBox-Verkauf in Österreich an den Verkaufsziffern der Sony-Playstation 2 von knapp 100.000 Stück werden. Weltweit will Microsoft die XBox bis Ende Juni 4,5 bis 6 Millionen Mal verkaufen.

Chancen

Die schwarze XBox in der Größe eines Videorekorders hat nach Einschätzung von Experten durchaus das Zeug, bald eine Größe in der virtuellen Spielwelt zu werden. Mit einem 733-Megahertz-Prozessor, eingebauter Festplatte und einem DVD-Laufwerk setzt das an den heimischen Fernseher anschließbare Gerät einen neuen Standard in der 20 Milliarden Dollar (22,9 Milliarden Euro) schweren Branche, wovon 30 Prozent auf Japan entfallen. Als einzige Konsole hat die XBox schon alle Komponenten eingebaut, um auch an einen Hochgeschwindigkeitszugang ins Internet angeschlossen zu werden. Dort sollen künftig von Microsoft und seinen Partnern bereitgestellte Software und Filme auf die Kunden warten - gegen Gebühr, versteht sich. (APA)

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