Schwärzler und Gall machten das Rennen

12. März 2002, 18:50
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Wahl mit 31 Pro- und vier Gegenstimmen - ORF-Führung komplett - weiter ohne Verträge

Die Bestellung der letzten zwei neuen Direktoren des ORF wuchs sich Dienstag zum zähesten von drei Wahlterminen auf dem Küniglberg aus. Wie berichtet, sorgten Firmenbeteiligungen beider Kandidaten und die politische Vergangenheit des neuen Onlinedirektors Ronald Schwärzler für Bedenken unter den Stiftungsräten.

Zu diskutieren gab dem obersten ORF-Gremium zudem FP-Klubchef Peter Westenthaler: Er forderte am Vortag der Wahl "Bescheidenheit" vom neuen ORF-Management. Parallel kursierte eine Expertise, wie viel der Anstalt ihr Management wert ist - mit allen Zusatzleistungen bisher rund 549.060 Euro etwa für den ORF-General. "Veröffentlichte Neidgesellschaft" nennt das Zentralbetriebsratschef und Stiftungsrat Heinz Fiedler.

Finanzplan revidiert

Nicht weniger als ihr Vorgänger zu verdienen, lautet bisher die Linie von Generaldirektorin Monika Lindner. Auch die Direktorengehälter sollen gleich bleiben. Nach mehrstündiger Debatte vertagte der Stiftungsrat das Thema auf 25. April. Dann erst hat die neue Führung auch die passenden neuen Dienstverträge. Bis dahin rechnet eine Firma namens Planpension "Variablen" und "Beiwerk" (Fiedler) der Direktorenentlohnung, eine Tochter der ORF-Pensionskassenverwalterin ÖPAG. "Zurufe der Politik finden offenbar auch im entpolitisierten Stiftungsrat Gehör", unkte Fiedler - Westenthaler hat seine Aufforderung allen Stiftungsräten per Brief mitgeteilt. Einer seiner Kollegen soll den FP-Klubchef dezent auf einen Tatbestand des Aktiengesetzes hingewiesen haben - unzulässige Beeinflussung von Aufsichtsräten.

Westenthalers "Bescheidenheit" passte freilich auch zu einem anderen Tagesordnungspunkt: Nach STANDARD-Informationen muss der Finanzplan für 2002 revidiert werden - das Werbeminus fiel deutlich stärker als erwartet aus. Die Werbebeobachter von Focus bescheinigten dem Küniglberg, wie berichtet, im Jänner einen Rückgang um satte 20 Prozent gegenüber Jänner 2001.

Erst nach zweieinhalb Stunden, gegen 14 Uhr, machten sich die Stiftungsräte an die Wahl der beiden noch fehlenden Direktoren. In Hearings hatte Andreas Gall zu erklären, dass er seine Beratungsfirma verkauft. Laut SP-Stiftungsrat Karl Krammer an den ORF - das war zumindest seine Bedingung, Galls Bestellung zum Technischen Direktor zuzustimmen. Und in einem Wahlgang mit Schwärzler wurde er Dienstag mit 31 von 35 Stimmen bestellt.

ORF On am Tapet

ORF-intern geht man nach der Bestellung Schwärzlers zum Onlinedirektor davon aus, dass auch ORF On einen neuen Chef bekommt. Franz Manola solle aber im ORF gehalten werden, wenngleich in neuer Funktion, hieß es. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 13. März 2002)

Von Harald Fidler
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