Sieben afrikanische Mädchen genital verstümmelt

12. März 2002, 19:54
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Eltern aus Mali in Frankreich vor Gericht

Paris - Wegen der Beschneidung von sieben afrikanischen Mädchen wird ab Mittwoch in Frankreich zwei Männern und drei Frauen aus Mali der Prozess gemacht. Die Angeklagten müssen sich vor dem Strafgericht in Bobigny bei Paris wegen Körperverletzung und "dauerhafter Verstümmelung" verantworten, weil sie bei ihren eigenen Kindern in jungen Jahren die Beschneidung der Klitoris vornehmen ließen. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft. Wegen Verfahrensproblemen kommen die Taten, die bereits Ende der 80er Jahre verübt wurden, erst jetzt vor Gericht.

18 Monate altes Mädchen betroffen

Aufgedeckt wurden die Fälle im Juli 1990, als in einem Krankenhaus in Saint-Denis bei einem 18 Monate alten Mädchen die Verstümmelung der Genitalien von Kinderärzten festgestellt wurde. Die 31-jährige Mutter sagte den ErmittlerInnen, die Beschneidung sei nach den Gepflogenheiten in ihrem afrikanischen Heimatstaat Mali erfolgt. Nach ihren Angaben wurde die Operation bei einer befreundeten Familie aus Mali vorgenommen.

Sechs weitere Mädchen der gleichen Familie

Die weiteren Nachforschungen ergaben, dass in dieser Großfamilie sechs weitere Mädchen wenige Monate nach der Geburt beschnitten worden waren. Die beiden Mütter gaben zu, damit eine Frau beauftragt zu haben, die für jede Beschneidung umgerechnet rund 30 Euro erhielt. Diese Frau konnte von den Ermittlern nicht ausfindig gemacht werden. Die beiden Väter sagten aus, sie hätten nichts von dem in Frankreich geltenden Beschneidungsverbot gewusst. In dem Prozess treten die Internationale Frauenrechtsliga und die Vereinigung SOS Femmes Alternatives als Nebenklägerinnen auf. Mit der Urteilsverkündung wird am Freitagabend gerechnet.

Zwei Millionen Mädchen pro Jahr

Weltweit werden nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr zwei Millionen Mädchen beschnitten. Außer der Klitoris werden in vielen Fällen auch die kleinen oder großen Schamlippen verstümmelt. Zahlreiche Mädchen verbluten nach dem Eingriff oder sterben an Infektionen. In den vergangenen Jahren hat ein weltweiter Kampf gegen die Beschneidung eingesetzt. (APA/AFP)

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