Theaterangebot Wiens gefährdet

12. März 2002, 14:55
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Mailath-Pokorny und Wiener Theaterdirektoren sehen durch Kürzungen "nachhaltige Schädigung"

Wien - "Die Subventionskürzungen seitens des Bundes gefährden das erreichte Niveau und verhindern eine weitere Entfaltung" in Wiens Theaterlandschaft, befanden bei einer kürzlich abgehaltenen Versammlung die Wiener Theaterdirektoren. Daher richteten sie am vergangenen Freitag (8. 3.) eine Resolution an Kunststaatssekretär Franz Morak (V), die "Subventionen zumindest wieder auf das Niveau von 1998 anzuheben". Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) teilt deren Sorge und appellierte am Montag in einem der APA vorliegenden Brief an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), die "Maßnahmen des Bundes, die den Ruf Wiens als Kulturstadt und den Österreichs als Kulturnation gefährden, wieder zurückzunehmen".

Die Wiener Theaterdirektoren hätten "einhellig die Klage geführt", dass durch die Kürzungen des Bundes der Spielbetrieb "nicht nur erheblich reduziert werden musste, sondern ab der Saison 2002/2003 insgesamt gefährdet ist", schreibt Mailath-Pokorny an den Bundeskanzler. "Allein im Bereich der privaten Mitgliedsbühnen des Wiener Bühnenvereins" seien 1999 bis 2002 "Ausfälle des Bundes in Höhe von 7.080.598,82 Euro zu verzeichnen" gewesen. Diese "gewaltige Summe" werde sich "dem Vernehmen nach" 2002 noch durch die "Budgetbindung von 3% erhöhen", so Mailath-Pokorny.

"Imageschaden"

Er glaube jedoch, dass Schüssel als zuständiger Kunstminister "nicht an einer nachhaltigen Schädigung der erfolgreichen Wiener Theaterlandschaft interessiert sein" könne. Daher wende er sich, einem "Auftrag des Wiener Gemeinderates vom 19. November 2001" folgend, an Schüssel, "den Beitrag des Bundes zum Theaterleben seiner Hauptstadt wieder anzuheben". Eine akute Gefährdung der Wiener Theaterstruktur würde nicht nur einen "erheblichen Imageschaden" verursachen, sondern hätte auch "durchaus Auswirkungen auf Arbeitsplätze in Wirtschaft und Tourismus".

"Wiener Problem"

Morak-Sprecherin Katharina Stourzh verwehrte sich gegenüber der APA dagegen, dass "da dem Bund ein Wiener Problem umgehängt" wird: Das ist "zum großen Teil ein Problem der Wiener Theaterlandschaft". Die Wiener Theater könnten sich im Wettbewerb untereinander auch nicht der "Qualitätsdiskussion entziehen". Es gebe in den Beiratsdiskussionen "Empfehlungen für massive Kürzungen" bei einzelnen Institutionen, die das Staatssekretariat versuche "abzufedern". Der Bund nehme "sehr wohl seine Verantwortung für die Wiener Theater" wahr, sei aber "nicht für Wien alleine verantwortlich". Im Vergleich mit 1998 sei es eine "nicht so schlechte Situation": Der Bund habe 1998 allein für die Wiener Theater 221,8 Millionen S (16,1 Mill. Euro) bezahlt, 2001 seien es 220,4 Millionen S (16,0 Mill. Euro) gewesen. Das ist ein "minimaler Unterschied".

Mailath-Sprecherin Saskia Schwaiger betonte, dass in diesen Zahlen auch die ursprünglich für die bauliche Sanierung der Josefstadt vorgesehenen 60 Millionen Schilling die erst später für den Betrieb umgewidmet worden sind, enthalten seien, die "eigentlich nicht hinzuzuzählen" sind. Bei allen anderen Theatern wurde "massiv gekürzt". Die Wiener Theaterdirektoren listen in ihrer Resolution "bisherige Auswirkungen" der Bundeskürzungen auf: eine Einschränkung bei der Spielplangestaltung, die Reduzierung der Anzahl der Vorstellungen, die "Hintanstellung künstlerischer Kriterien zugunsten finanzieller Erwägungen" bei der Spielplanerstellung, die "Existenzbedrohung einiger Bühnen" sowie die Gefährdung von Arbeitsplätzen.

Unterzeichnet wurde die Resolution von den Leitern (oder deren Vertretern) von 25 Wiener Theaterinstitutionen, darunter dem Volkstheaters, dem Theaters in der Josefstadt, dem Wiener Bühnenverein, dem Theaterverein Wien, dem Theater der Jugend und dem Schauspielhaus. (APA)

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