Drogendebatte um bekanntes Testgerät

12. März 2002, 20:41
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FPÖ beharrt auf Schnelltests für Autolenker - Experten: "Geringe Aussagekraft" - Wiens Drogenkoordinator Peter Hacker winkt ab

Wien - Wiens Drogenkoordinator Peter Hacker reagiert gelassen auf die Forderung der FPÖ, wonach Drogenschnelltests bei Lenkern im Straßenverkehr eingeführt werden sollen. Er wiederholt: "Diese Tests zeigen nur an, dass jemand Drogen konsumiert hat." Das ist noch kein strafrechtlicher Tatbestand, erst der Handel mit und Besitz von Drogen einer bestimmten Menge sind strafbar. "An diesen Schnelltests ist aber nicht abzulesen, ob jemand in Wahrnehmung und Handeln beeinträchtigt ist. Aber das ist ohnehin seit Jahren bekannt", kommentiert Peter Hacker das ewige FP-Thema.

Die Freiheitlichen wissen aber, "man muss am Thema dranbleiben, um etwas zu erreichen": Daher präsentierten sie den seit Jahren bekannten Drogenschnelltest "Drugwipe" einer deutschen Herstellerfirma. Damit sei "schnell und sicher", ähnlich dem Prinzip eines Schwangerschaftstests, nachweisbar, ob jemand Drogen genommen hat.

Mit dem flachen Gerät wird Speichel oder Schweiß von der zu untersuchenden Person abgetupft und im Gerät innerhalb weniger Minuten auf Cannabis, Amphetamine oder Kokain untersucht. Nationalratsabgeordnete Silvia Paphazy und Wiens Klubobmann Heinz Christian Strache wollen auch zusätzlich Bluttests einführen, um Gewissheit über den Drogenkonsum zu erhalten. Um diese durchzusetzen, ist allerdings im Parlament die Zustimmung der Opposition für eine Verfassungsmehrheit nötig. Das lehnen Sozialdemokraten und Grüne jedoch vehement ab.

Nach einer aktuellen Studie des Fonds Soziales Wien, stimmen drei Viertel der Wienerinnen und Wiener zu, dass man Drogenabhängige nicht kriminalisieren soll. Nur 20 Prozent sprechen sich für Haftstrafen für Personen aus, die Drogen nehmen. Gestiegen ist laut Studie die Zahl der 30-bis 50-Jährigen, die Cannabis rauchen. Allerdings, erklärt Drogenexperte Hacker, dass nicht mehr Personen Cannabis rauchen als früher, sondern die Bereitschaft steige, dies zuzugeben. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 13.3.2002)

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