Generalsekretär der Opposition wegen Verrats angeklagt

12. März 2002, 12:42
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NGO prangert massiven Wahlbetrug und Einschüchterung von Wählern an

Harare - Gegen den Generalsekretär der simbabwischen Oppositionspartei MDC ist offiziell Klage erhoben worden. Welshman Ncube wurde am Dienstag vor einem Verwaltungsgericht des Verrats angeklagt. Der Generalsekretär der oppositionellen Bewegung für den Wandel (MDC) war am Montag nahe der Grenze zu Botswana festgenommen worden, als er Wahllokale auf mögliche Unregelmäßigkeiten kontrollieren wollte. Die Regierung bezichtigt Ncube, MDC-Spitzenkandidat Morgan Tsvangirai und vier weitere Parteimitglieder, ein Attentat auf den amtierenden Präsidenten Robert Mugabe geplant zu haben.

Die Nichtregierungsorganisation Internationale Krisengruppe (ICG) prangerte massiven Wahlbetrug und Einschüchterung von Wählern durch Regierungsanhänger an. Vor allem in ländlichen Wahlbezirken seien Milizen von Mugabes Partei, der Zanu-PF, aufgezogen, hieß es in einem Bericht. In fast der Hälfte der dortigen Wahlbüros seien keine Vertreter der Opposition als Wahlhelfer gewesen. In vielen Büros auf dem Lande habe sich die Zahl der registrierten Pro-Mugabe-Wähler sprunghaft verdoppelt, obwohl die Wahlbeteiligung eigentlich niedrig gewesen sei.

Die Wahl war am Montagabend beendet worden, nachdem das Oberste Gericht eine weitere Verlängerung abgelehnt hatte. Zahlreiche Wähler konnten ihre Stimme nicht abgeben, weil der Urnengang verzögert worden war. Viele Wahllokale öffneten erst mit stundenlanger Verspätung. Andere schlossen bereits nach wenigen Minuten wieder. Die Opposition warf der Regierung vor, den Urnengang in den MDC-Hochburgen gezielt zu verzögern, um so die Siegeschancen von Amtsinhaber Mugabe zu erhöhen. Während in den Städten somit weniger alsd ie Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben konnten, wurde auf dem Land, wo Mugabe seine Anhänger hat, über eine hohe Wahlbeteiligung berichtet.

MDC-Parteichef Morgan Tsvangirai ist der erste ernst zu nehmende Herausforderer des 78-jährigen Mugabe, der das südafrikanische Land seit 22 Jahren regiert. Tsvangirai rief seine Anhänger auf, ruhig zu bleiben und sich nicht provozieren zu lassen. (APA/dpa)

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