Expertin: Arzneimittel können bei befürchteter Aids-Infektion helfen

12. März 2002, 12:39
1 Posting

HI-Virus benötigt eine halbe bis zwei Stunden, um sich im Körper an einer empfänglichen Stelle anzuheften

Wien/Linz - "Safer Sex" und auch sonst "Nur kein Risiko eingehen!" - Das ist und bleibt der Rat der Fachleute seit rund 20 Jahren zur Verhütung von Aids-Infektionen. Die immer wieder auftauchenden Gerüchte um "Nadel"-Attacken haben sich bisher nicht als reale Gefahr herausgestellt. "In der wissenschaftlichen Literatur gibt es keinen einzigen Fall, in dem durch solche angebliche 'Attacken' eine Aids-Infektion erfolgt wäre. Auch in Österreich ist mir ein solcher Fall nicht bekannt geworden", erklärte am Dienstag die Wiener Aids-Spezialistin Oberarzt Brigitte Schmied (Pulmologisches Zentrum).

Bei einem "Unfall" bzw. im Verdachtsfall aber gibt es als "Rettungsanker" noch die Möglichkeit der Verhinderung einer Ansteckung mit HIV durch die möglichst rasche Einnahme von Arzneimitteln. Für diese "Postexpositionelle Prophylaxe" (PEP) stellten erst Ende November vergangenen Jahres zwei Pharmaunternehmen Spitälern und interessierten Ärzten "Startpakete" zur Verfügung.

Rettungsanker

"PEP kann aber einen 'Rettungsanker' nach einem beruflichen Risiko, zum Beispiel bei einer Nadelstichverletzung, oder nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr darstellen, wenn eine Infektion stattgefunden haben könnte", erklärte Prim. Dr. Norbert Vetter, Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung am Pulmologischen Zentrum Baumgartner Höhe in Wien.

Nach einem Kontakt mit dem Empfänger benötigt das HI-Virus eine halbe bis zwei Stunden, um sich im Körper an einer empfänglichen Stelle anzuheften. Da ist rasches Handeln gefragt. Binnen 72 Stunden ist dann eine medikamentöse Prophylaxe noch sinnvoll.

Einen wirklich harten Beweis für die Wirksamkeit der vorbeugenden Therapie gibt es nicht. Doch einige Hinweise deuten doch auf einen deutlichen Effekt einer solchen Intervention hin. So erklärte im vergangenen November Oberarzt Dr. Armin Rieger von der Universitäts-Hautklinik am Wiener AKH: "Man hat retrospektive Studien (Kontrolle im Nachhinein, Anm.) durchgeführt. Dabei hat sich gezeigt, dass die Transmissionsrate von HIV nach Nadelstichverletzungen durch eine solche Prophylaxe um rund 80 Prozent reduziert werden dürfte." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.