Klestil: Unis nicht nur an wirtschaftlichen Maßstäben messen

12. März 2002, 19:14
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Bundespräsident mahnt offenen Zugang ein

Wien - Bundespräsident Thomas Klestil begrüßt die geplante Universitätsreform, fordert aber gleichzeitig dazu auf, "sicherzustellen, dass die Universitäten nicht nur an wirtschaftlichen Maßstäben gemessen werden". Die Unis seien seit jeher Stätten der Lehre und Forschung, die Freiraum für kreatives Denken und Handeln bieten würden "und das soll auch in Zukunft so bleiben", betonte Klestil in der von seinem Kabinettsdirektor Helmut Türk verlesenen Ansprache bei einer Sub auspiciis-Promotion an der Universität Wien anlässlich des 637. Gründungstages der "Alma Mater Rudolphina Vindobonensis". Klestil hatte seine Teilnahme an der akademischen Feier wegen des Staatsbesuchs des iranischen Staatspräsidenten Seyed Mohammad Khatami in Österreich kurzfristig absagen müssen."

Das Staatsoberhaupt sieht in den österreichischen Unis "ausgezeichnete Bildungsstätten mit hochqualifiziertem Lehrpersonal und ambitionierten Studierenden". Von den geplanten Reformen erhofft er daher eine weitere Verbesserung der Universitätsstruktur und eine Anpassung an die Erfordernisse der heutigen Zeit. Erneut mahnte Klestil bei der akademischen Feier im Zusammenhang mit der Einführung von Studiengebühren, dass "der offene Zugang zum akademischen Studium für jeden gewährleistet sein muss - und zwar unabhängig vom Einkommen".

Bei der Sub-auspiciis-Promotion erhielten insgesamt sieben Absolventen der Uni Wien den Ehrenring der Republik. Sie mussten dafür die Oberstufe mit lauter Einsern und die Matura mit Auszeichnung absolviert und an der Uni alle Diplomprüfungen sowie die Rigorosen und die Dissertation mit "sehr gut" abgelegt haben. Dieses Bravourstück ist der Mathematikerin Theresia Eisenkölbl (geb. 1976 in Wien), der Medizinerin Angelika Riemer (geb. 1976 in Salzburg), dem Theologen Harald Buchinger (geb. 1969 in Wien), dem klassischen Philologen Christian Gastgeber (geb. 1970 in Wien), dem Juristen und Althistoriker Markus Gerhold (geb. 1972 in Wien), dem Physiker Markus Anton Michler (geb. 1971 in Wien) und dem Numismatiker und Althistoriker Bernhard Woytek (geb. 1974 in Wien) gelungen.

Klestil verwies in seiner Ansprache auch auf ein rundes Jubiläum: Vor genau 50 Jahren, im März 1952, wurde vom Nationalrat einstimmig das Bundesgesetz über die Verleihung des Doktorates unter den Auspizien des Bundespräsidenten beschlossen. Damit sei eine wichtige Tradition wieder aufgenommen worden, die auf das Jahr 1624 zurückgeht, als an der Uni Graz eine Promotion unter den Auspizien von Kaiser Ferdinand II. stattfand. Laut Klestil handelt es sich dabei um eine spezifisch österreichische Form der Auszeichnung, die nur noch in Ungarn praktiziert werde. (APA)

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