Bruno-Kreisky-Preis an Wirtschaftstheoretiker Sen verliehen

12. März 2002, 14:55
posten

"Menschen müssten am Warenaustausch teilnehmen können und Zugang zum Bildungs- und Gesundheitswesen haben"

Wien - Der Bruno-Kreisky-Hauptpreis 2002 für das politische Buch ist dem Wirtschaftstheoretiker und Nobelpreisträger Amartya Sen für sein Werk "Ökonomie für den Menschen" verliehen worden. "Entwicklungsfortschritt sei daran zu messen, wie wir über unsere Leben selbst bestimmen können", erläuterte SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer am Montagabend bei der Preisverleihung in Wien die Kernthese des Buches.

Menschen müssten laut Sen am Warenaustausch teilnehmen können und Zugang zum Bildungs- und Gesundheitswesen, Arbeitsmarkt und zur politischer Mitbestimmung haben, so Gusenbauer. Die Erfüllung dieser Kriterien seien für den Buchautoren "wesentlich wichtiger" als die Höhe des Einkommens oder des Bruttonationalprodukts. Ein aktiver Sozialstaat sei dem Buch zufolge Voraussetzung für eine gedeihliche wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Der SPÖ-Chef stellte einen aktuellen Bezug zu Österreich her: "Auch den Promotoren des Sozialstaat-Volksbegehrens muss diese These einigermaßen bekannt vorkommen." SP-Europaabgeordneter Hannes Swoboda fügte dem hinzu, dass der Markt Sen zufolge dort die größten Chancen hätte, wo Chancegleichheit herrsche.

Der 1933 in Indien geborene Sen erhielt 1998 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Arbeit zur Wohlfahrtsökonomie und zur Theorie der wirtschaftlichen Entwicklungen.

Weitere Bruno-Kreisky-Preisträger 2002 sind der "Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen" (BEIGEWUM) für das politische Buch "Mythos Null-Defizit. Alternativen zum Sparkurs" sowie Robert Schlesinger und Melita Sunjic für "Flucht nach Österreich. Die Zweite Republik in Flüchtlingsporträts". (APA)

Share if you care.