Die sinnlosesten Diäten der ÖsterreicherInnen

13. März 2002, 19:30
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Sozialmedizinerin Kiefer warnt vor einseitiger Reduktionskost

Wien - Vanillekipferl, Weihnachtsgans, Faschingskrapfen und Heringsschmaus: Die österreichischen Fettpölsterchen sind um einiges gewachsen in den vergangenen Monaten. Vom schlechten Gewissen getrieben, probieren die "Schwimmreifenbesitzer" jetzt fast alles aus, um im Sommer in knapper Kleidung protzen zu können. Jedoch alles, was schnell abgenommen wird, ist genauso schnell wieder auf Hüften und Umgebung, betonte Ernährungsexpertin Univ.-Doz. Mag. Dr. Ingrid Kiefer vom Institut für Sozialmedizin der Universität Wien.

Als "besonders sinnlos" sind für Kiefer jegliche Diäten, die sehr einseitig sind. "Da gibt es die Apfeldiät, Kartoffeldiät oder Diäten, wo nur Ahornsirup getrunken wird", zählte Kiefer im Gespräch auf. Der einzige Effekt sei, dass die Energiezufuhr eingeschränkt werde. "Der Körper glaubt an eine Hungersnot, geht auf Sparflamme und knabbert an den letzten Energiereserven", meinte Kiefer. "Der Grundumsatz sinkt."

Übergewichtige in Österreich

Genauso illusorisch bezeichnete Kiefer sämtliche Pulver, die durch die bloße Einnahme eine Gewichtsreduktion versprechen: "Wenn das funktionieren würde, gebe es nicht so viele Übergewichtige in Österreich." Diese Versprechen seien wissenschaftlich nicht haltbar. "Es würde doch nichts Schöneres geben, als Tabletten schlucken, und man nimmt ab", so die Sozialmedizinerin. Die Menschen würden jedoch solche passiven Methoden mögen, wo man nicht viel fürs Idealgewicht tun muss.

Als Beispiel nannte Kiefer so genannte Ananaskapseln: Die darin enthaltenen Enzyme würden einen Fettabbau aus den Fettpolstern versprechen, es sei jedoch ziemlich illusorisch, dass diese Eiweißbausteine in das Fettgewebe eindringen könnten, so die Medizinerin. Ähnlich verhalte es sich mit dem "Fett-Magneten" Chitosan, eines Abkömmlings des Chitins (Krabbenabfälle, Anm.), meinte Kiefer.

So viel Fett essen wie man möchte?

Für sehr umstritten hält die Wiener Sozialmedizinerin Univ.-Doz. Mag. Dr. Ingrid Kiefer die so genannte Atkins-Diät. "Da darf man zwar so viel Fett essen wie man möchte, jedoch sind jegliche Kohlenhydrate wie Nudeln oder Reis tabu", meinte Kiefer. Fleisch, Eier, Fisch, Käse, fette Mayonnaise dürfe dagegen in unbegrenzter Menge gegessen werden, egal wie hoch der Gehalt an tierischen Fetten sei, und statt Kalorien werden Kohlehydrate gezählt.

Auch die Diät gegen Candida albicans, einem im menschlichen Darm befindlichen Hefepilz, sei wissenschaftlich nicht untermauert, sagte die Ernährungsexpertin. Dabei werde - ähnlich wie bei der Atkins-Diät - auf Kohlehydrate sowie zusätzlich auf Zucker verzichtet, so Kiefer.

Kiefer empfahl neben gesunder Ernährung Trinkkuren oder Suppentage für einzelne Schalttage oder ganze Wochenenden. "Gerade nach Festivitäten ist das sehr zu empfehlen." Jedoch sollten diese Safttage nicht länger als zwei dauern: "Denn ab dem dritten Tag geht der Körper sofort wieder auf Sparflamme." (APA)

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