Stolte: Finanzielles Fundament des ZDF sichern

12. März 2002, 10:44
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Gefahr durch möglichen Zusammenbruch der KirchGruppe

Nach Ansicht des scheidenden ZDF-Intendanten Dieter Stolte wird es sein Nachfolger Markus Schächter nicht leicht haben. "Die schwierigste Aufgabe für meinen Nachfolger sehe ich darin, das finanzielle Fundament für das ZDF so sicherzustellen, dass unbestreitbare Zukunftsaufgaben - wie der Bereich Online - auch weiterhin erfüllt und ausgebaut werden können", sagte der 67-jährige Stolte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Da nicht zu erwarten sei, dass sich die finanziellen Möglichkeiten für ARD und ZDF groß verbesserten, bestehe eine wichtige Aufgabe darin, die vorhandenen Ressourcen für das Programm so zu nutzen, dass die Zuschauer davon den größten Nutzen hätten. "Die finanzielle Ausstattung ist zwar nicht üppig, aber wer sich nach der Decke strecken muss, setzt auch neue Energien frei", meinte Stolte, der künftig in Berlin als Herausgeber der "Welt" und der "Berliner Morgenpost" tätig sein wird.

Hauptaufgabe des ZDF werde es bleiben, "seine programmliche Frische als unverzichtbarer und unverbrauchter Informationsgarant sicher zu stellen", sagte der gebürtige Kölner, der Philosophie, Geschichte und Germanistik studierte. Gefahr drohe von außen, wenn das "Vier-Säulen-System" ins Wanken gerate, so Stolte in Anspielung auf einen möglichen Zusammenbruch der KirchGruppe. "Dann wäre das Vier-Säulen-System mit Kirch und Bertelsmann auf der einen sowie ARD und ZDF auf der anderen Seite in Gefahr."

Für ein "ZDF II", wie es der künftige Intendant Schächter jüngst als Idee für eine Weiterverwertungsmöglichkeit ins Spiel gebracht, sieht Stolte, der 1962 als Referent von Gründungsintendant Karl Holzamer beim Sender anfing, derzeit keine Realisierungschancen. Denn mit dem digitalen Programmpaket von ZDF.vision und den gemeinsamen Unternehmungen mit der ARD (Arte, Phoenix und Kinderkanal) sieht er das ZDF "gut aufgestellt". Grundsätzlich hält er Überlegungen für ein "ZDF II" aber für erwägenswert. (APA/dpa)

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