Zwischen Geldmangel und privater Übermacht

13. März 2002, 10:14
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Dieter Stolte tritt nach 20 Jahren Amtszeit ab - Schwere Aufgabe für Markus Schächter

Das ZDF, einst neben der ARD alleiniger Beherrscher des Fernsehmarktes, hat schon lange seine Dominanz eingebüßt. Diese mit der Gründung des Privatfernsehens einhergehende Entwicklung konnte auch Intendant Dieter Stolte, der am Donnerstag (14. März) nach 20 Jahren Amtszeit abtritt, nicht verhindern.

Vorbei die Zeiten, als ein "Kommissar" zum Straßenfeger wurde - heute versorgt am Freitagabend Günther Jauchs RTL-Quiz "Wer wird Millionär?" Millionen von Zuschauern. Auch Show- und Entertainment-Größen wie Peter Frankenfeld, Hans Rosenthal, Wim Thoelke oder Dietmar Schönherr und Vivi Bach sorgen mit ihren Sendungen am nächsten Tag am Arbeitsplatz, in der Familie oder im Wirtshaus nicht mehr für Gesprächsstoff.

Nicht nur die finanzielle Ausstattung ist schuld

Für den scheidenden Intendanten ist daran nicht nur eine seiner Ansicht nach unzureichende finanzielle Ausstattung schuld, sondern auch die isolierte Position seines Senders in der Medienlandschaft. "Ein Medienverbund, wie ihn andere Wettbewerber mit Hörfunk und Printtiteln haben, ist für einen Ein-Kanal-Sender wie das ZDF besonders wichtig", sagt Stolte und spielt damit auf die Möglichkeiten der ARD an, in all ihren Hörfunksendern "cross promotion", also Werbung fürs "Erste", zu betreiben.

Vernachlässigte Entwicklung

Aber nicht alleine die flankierende Unterstützung durch "cross promotion" oder durch die Mehrfachverwertung in einem abgeschotteten System haben dem ZDF gefehlt. Die Probleme sind auch hausgemachter Natur. Der Sender mit Sitz in Mainz, für den rund 3600 Mitarbeiter tätig sind, hat viele Entwicklungen vernachlässigt. Den Anschluss an moderne Unterhaltung hat das ZDF versäumt. Bezeichnend, dass das 20 Jahre alte "Traumschiff" erfolgreich wie eh und je ist.

Hohe Prestigewerte

Dennoch hat das ZDF hohe Prestigewerte zu verzeichnen auf Gebieten, die seit seiner Gründung im Jahre 1963 mit dem Sender verschweißt sind: Im Nachrichtensektor, auf dem das ZDF neben der ARD (bei steigender Konkurrenz durch RTL) hohe Kompetenz genießt, halten sich die Marktanteile im vertretbaren Bereich. In der 20 Jahre währenden Ära Stolte hat der Sender sein Korrespondentennetz deutlich ausgeweitet. Aus der Kooperation mit dem US-Nachrichtenriesen CNN wurde zwar nichts, aber Stolte kann als Erfolg für sich Abkommen mit Microsoft oder dem Discovery Channel verbuchen - das ZDF gilt international dank der Reihen wie "Terra X" oder Guido Knopps historischer Produktionen als einer der weltweit führenden Sender auf dem schwierigen Markt der Dokumentationen.

Schweres Erbe

Für den Programmmanager Markus Schächter wird es trotz all seiner Erfahrung schwer werden, das Zweite Deutsche Fernsehen bei einem Marktanteil von rund 13 Prozent zu stabilisieren. Denn er muss dafür sorgen, dass der Nachwuchs an den Sender herangeführt wird, ohne das alte Publikum zu verprellen. Dass viel auf dem Spiel steht und der an sich selbst gestellte Anspruch groß ist, unterstreicht der Werbeslogan des Senders: "Mit dem Zweiten sieht man besser." - Für Schächter eine schwere Bürde. (APA/dpa)

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