Australien baut Auffanglager für Illegale auf der Weihnachtsinsel

12. März 2002, 10:04
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Lager soll ab Ende des Jahres bis zu 1.200 Menschen aufnehmen können

Canberra - Um Flüchtlinge vom Festland fern zu halten, will die Regierung Australiens auf der entlegenen Weihnachtsinsel ein Auffanglager bauen lassen. Das Lager werde ab Ende des Jahres bis zu 1.200 Menschen aufnehmen können, sagte Einwanderungsminister Philip Ruddock am Dienstag in Canberra. Er nannte den Bau des Lagers weit weg vom Festland ein klares Signal an die Menschenschmuggler, dass Australien die Einwanderungspolitik nicht lockern werde.

Das Parlament hat im vergangenen Jahr für die Weihnachtsinsel und andere entlegene Territorien eine Sonderregelung beschlossen. Wer dort ankommt, kann kein Dauerasyl mehr beantragen, sondern nur einen auf maximal drei Jahre befristeten Aufenthalt ohne den Anspruch, Familienmitglieder nachkommen zu lassen.

Interniert bis zur Entscheidung über den Asylantrag

Australien nimmt jedes Jahr 10.000 Ausländer auf, die von der UNO als Flüchtlinge anerkannt werden. Wer illegal ins Land kommt, wird bis zur Entscheidung über den Asylantrag interniert. Das wird im Ausland kritisiert, hat aber in Australien die Zustimmung der beiden großen politischen Parteien des 19-Millionen-Volkes.

Nach einem Ansturm von 5.000 illegalen Einwanderern im vergangenen Jahr, zumeist aus dem Nahen Osten und Afghanistan, setzte die Regierung die Kriegsmarine ein, um die Schiffe der Menschenschmuggler auf hoher See abzufangen. Die Weihnachtsinsel liegt knapp südlich von Indonesien und war bevorzugter Anlaufpunkt für die Flüchtlingsschiffe, die zumeist im indonesischen Archipel abfuhren.

Geld für die Aufnahme von Einwanderern

Mit der Gesetzesänderung ist die Regierung nicht mehr verpflichtet, die Menschen von der Insel aufs Festland zu bringen, sondern kann sie dort und auf den anderen australischen Inseln festhalten, die vom Einwanderungsgesetz ausgenommen worden sind. Seit August werden alle illegalen Einwanderer zunächst auf Nauru und Papua-Neuguinea untergebracht. Die Staaten bekommen dafür Geld.

Auf dem Festland werden etwa 1.700 Asylbewerber und Abschiebehäftlinge in eingezäunten und streng bewachten Internierungslagern festgehalten, darunter auch Kinder. Einwanderungsminister Ruddock sagte, im Lager Woomera bleibe es unruhig. Dort hatten neulich über 100 Menschen mit einem Hungerstreik gegen die Lebensbedingungen protestiert.

Ruddock sagte, in der Nacht zum Dienstag habe ein Brand eine der Toilettenanlagen verwüstet. Zwei Lagerinsassen und ein Wächter seien wegen Rauchvergiftung und ein weiterer Lagerinsasse nach einer Selbstverstümmelung in ärztlicher Behandlung. Zudem hätten einige der Insassen Gruben ausgehoben, um sich wie zum Begräbnis hinein zu legen.(APA/Reuters)

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