Konrad-Lorenz-Preis für Jane Goodall und Erwin Kräutler

12. März 2002, 09:37
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"Es geht um Mitwelt nicht um Umwelt"

Wien - Jane Goodall und Erwin Kräutler wurden am Montagabend im Naturhistorischen Museum in Wien mit dem Konrad-Lorenz-Preis der Republik Österreich für ihren "Einsatz für das Unwiederbringliche in der Natur und in der Umwelt" ausgezeichnet. Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer sah das Verdienst beider darin, dass sie das "enge Thema der Umweltpolitik" zum breiten der "nachhaltigen und gerechten Entwicklung" erweiterten.

Die heute 68-jährige Ethologin Jane Goodall nahm 1960 ihre Schimpansenforschungen in Gombe, Tansania, auf und wurde mit ihren Befunden - unsere Vettern haben hohe Intelligenz und ein komplexes Sozialleben - weltweit als "Dr. Jane" bekannt. Diese Popularität nutzt sie nicht nur für die Schimpansen - "ihre Lage ist heute entsetzlich" -, sie hat 1991 auch eine in 68 Ländern aktive Jugend-Umweltschutzorganisation gegründet, "um den Kindern Hoffnung zu geben".

Das will auch der katholische Bischof Erwin Kräutler, der 1965 von Vorarlberg nach Brasilien übersiedelte und dort "klassisch" missionierte: "Früher haben wir die Indianer als Objekte unserer Nächstenliebe gesehen", berichtete der 62-Jährige, "heute denken wir ganz anders: Der Indianer ist Subjekt seiner eigenen Geschichte." Damit - und mit seinem Einsatz für Landlose und Unterprivilegierte - erarbeitete sich auch Kräutler einen Namen: "Dom Erwin". Aber er wurde auch bitter angefeindet und überlebte einen Mordanschlag nur knapp.

"Es geht nicht um eine anonyme Umwelt", schließt Kräutler auch für Goodall, "es geht um eine Mitwelt aller Völker, zu der wir auch gehören." (jl; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.3.2002)

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